Donnerstag, 28. Februar 2013

Kornblume - Cyane

Foto: Pixabay
Die Kornblume gehört zur Familie der Korbblütler.

Andere Namen sind Termse, Geißbein, Cyane.

Die Blütezeit ist von Mai bis August.

Die Bedeutungen in der Symbolik sind Liebe, beständige Treue, Zuversicht.

Die Blumensprache sagt: "Ich gebe die Hoffnung nicht auf." Aus anderer Quelle: "Ich baue auf deine Treue."

Für die Bauern war die Kornblume eher eine Plage. Sie binden sich an Roggen und verbreiten sich im Kornfeld. Die festen Stengel der Kornblume machten früher leicht die Sensen und Sicheln stumpf. Heute sieht man sie daher wohl eher an Feldrändern.

Ein Feldblumenstrauß, zusammen mit Margeriten und Mohn ist allerdings an Schönheit kaum zu übertreffen.

Foto: Pixabay

Gedichte

Kornblumen flecht ich dir zum Kranz...

Kornblumen flecht' ich dir zum Kranz
Ins blonde Lockenhaar.
Wie leuchtet doch der blaue Glanz
Auf goldnem Grund so klar!

Der blaue Kranz ist meine Lust;
Er sagt mir stets aufs neu,
Wohl keine sei in tiefster Brust
Wie du, mein Kind, so treu.

Auch mahnt sein Himmelblau zugleich
Mich heimlich süßer Art,
Daß mir ein ganzes Himmelreich
In deiner Liebe ward.

Emanuel Geibel

Kornblume
Sprüche.
Spruchgedicht von Friedrich Schiller

Zierde wärst du der Gärten, doch wo du erscheinest, da sagst du:
Ceres streute mich selbst aus mit der goldenen Saat.

Friedrich Schiller


Kornblumen

In der Saat viel blaue Sterne
Stehn wir leuchtend fern und nah.
Laßt uns blühn und seht uns gerne,
Denn wir sind nun einmal da!

Die uns sonst nicht leiden mochten
Unterm Korn, die schimmernd blaun:
In den Erntekranz geflochten
Mögen sie doch gern uns schaun.

Zu dem Ernst nutzreicher Ähren
Fügen wir, was heiter glänzt:
Freude will Natur euch lehren,
Und sie bringt das Brot bekränzt.

Johannes Trojan


Cyanen blühen unter Aehren
Und mahnen an die Kommunion,
Weil wir in Brodsgestalt verehren
Im Sakramente Gottes Sohn.

O schönster Tag in meinem Leben,
Wo ich zuerst den Herrn empfing.
Wo er sich gänzlich mir gegeben,
Mein Herz an seinem Herzen hing!

 O schönster Tag, dein will ich denken,
So lange, bis mein Auge bricht,
 Bis Gott sich wird mir ewig schenken;
Nein, diesen Tag vergeß' ich nicht!

Ludwig Gemminger

Thymian

Foto: Leo Michels
Thymian gehört zur Familie der Lippenblütler.

Andere Namen sind Waldysop, Immenkraut, Welscher Quendel.

Die Blütezeit ist von Mai bis Oktober.

Thymian wirkt heilend auf die Atemwege, beruhigend, krampflösend.

Die Grundbedeutungen in der Symbolik sind Abwehr von Kummer, Leid und Pech, Mut und Tapferkeit.

Die Blumensprache sagt: "Nur einen Blick von dir, und ich bin reich." Oder: "Verachte mich nicht, ich kann dir noch nützlich werden.

Thymian. Thätigkeit. 

Fliegen von allen Gestalten, Käfer von allen Farben, die emsigen Bienen und flatternden Schmetterlinge umgeben fortwährend die blühenden Büschel des Thymians. Vielleicht erscheint diese bescheidene Pflanze den muntern Bewohnern der Luft, die nur einen kurzen Frühling leben, als ein großer und hochbejahrter Baum, mit unverwelklichem Grün bedeckt, an welchem die Blüthe wie reiche Füllhörner glänzen, alle für sie voll des süßesten Honigs.

Die Griechen hielten den Thymian für das Symbol der Thätigkeit; sie hatten gefunden, daß sein Wohlgeruch, der den Kopf stärkt, den Greisen sehr heilsam sey, denen er Gewandtheit, Kraft und Stärke verleiht.

Thätigkeit ist eine Tugend, die bei dem Krieger sich stets dem wahren Muthe anschließt. Deshalb stickten die schönen Jungfrauen ehemals in die Scherfen ihrer Ritter eine Biene, die um einen Thymianzweig schwärmt. Dies Sinnbild sollte demjenigen, der es empfing, den versteckten Rath geben, mit Tapferkeit auch schonende Sanftmuth zu verbinden.
Quelle: Charlotte de Latour


Mittwoch, 27. Februar 2013

Die Linde


Bild: Leo Michels
Die Linde gehört zur Familie der Lindengewächse. Ein weiterer Name ist Leinbaum. Die Blütezeit ist von Juni bis Juli.

Als Heilwirkungen werden ihr zugeschrieben: sie ist schweißtreibend, schleimlösend, fiebersenkend, immunisierend, krampfstillend, entspannend, beruhigend.

Die Blumensprache sagt: (Blüte) "Ruhe sanft, träume süß und denk an mich."

Die Linde ist ein Symbol für eheliche Liebe, Zärtlichkeit, Sehnsucht, Verlöbnis, Güte, Gastfreundschaft, Gerechtigkeit, Heimat.

Die Linde. (von Charlotte de Latour alias Louise Cortambert)

Eheliche Liebe.
Bild: Leo Michels
Baucis wurde in eine Linde verwandelt. Der Lindenbaum ist daher das Sinnbild der ehelichen Liebe. Wenn man die Bäume, Pflanzen, Blumen und Kräuter näher betrachtet, welche in den Mythen des Alterthums eine allegorische Deutung erhalten haben, so muß man den Scharfsinn bewundern, mit welchem sie die Eigenthümlichkeiten dieser Gewächse dazu benutzt haben, um die ausgezeichneten Eigenschaften derjenigen bildlich anzudeuten, die in die erstern, der Sage nach, verwandelt worden sind.

Schönheit, Liebreiz, Einfachheit, Sanftmuth, und unschuldiger Schmuck sind zu allen Zeiten die Eigenschaften und Vollkommenheiten einer zärtlichen Gattin gewesen. Alle diese Eigenschaften findet man auch an der Linde. Sie bedeckt sich jeden Frühling mit lieblichem Grün, sie verbreitet sanfte Wohlgerüche, sie spendet den jungen Bienen in ihren Blüthen den süßesten Honig, und den Frauen biegsame Zweige, woraus sie oft kunstreiche Arbeiten verfertigen.

Alles gewährt Nutzen an diesem schönen Baum. Man preßt aus seinen Blüthen ein lieblichduftendes Wasser, aus seiner weichen Rinde macht man Matten, Seile und Hüthe. Wie melodisch rauschen seine schönen Blätter, wenn sie erst frisch ausgeschlafen sind, bewegt vom Hauche des Windes!

Bild: Leo Michels
Diese junge Blätter scheinen aus einen feinern schimmernden, und geschmeidigen Stoff gemacht zu seyn, als die Seide, in dem Glanz sie strahlen. Man wird es nicht müde, die breiten schattigen Wölbungen der Linde zu betrachten; immer möchte man unter ihrem Schirme ruhen, ihr leises Murmeln belauschen, ihre aromatischen Düfte einathmen.

Der stolze Kastanienbaum, die schlanke Akazie haben der Linde ihr Vorrecht, öffentliche Plätze und Spaziergänge zu verschönern, zwar streitig machen wollen, aber sie werden sie nie ganz verdrängen. Sie wird der Schmuck der Gärten, der Vorplätze vor den Lustschlössern der Reichen bleiben, eine Wohlthäterin für den Armen, den sie wärmt, und dem sie ihr Holz zu Geräthschaften und selbst zu Schuhen liefert.

Im Sommer kühlet sie den, der in Sonnengluth
verschmachtend, unterm Schutz der breiten Zweige ruht.
Und den Erstarrten wärmt, deckt Schnee und Eis die Erde,
Ihr Holz, das Feuer sprüht Im Ofen, auf dem Herde.

Bei ihrem Anblick mag sich jede Gattin stets an Baucis erinnern, das Muster ehelicher Liebe, treuer und anspruchloser Genügsamkeit.

Baucis verwandelte linst Zeus In eine Linde,
Philemon schuf er um in einen Eichenbaum,
Damit dies treue Paar, vereint auf engem Raum,
Mit seinen Wurzeln sich noch liebevoll umwinde.
In ihrem Schatten ruh' ein gleichgesinntes Paar,
Das in des Erdenlebens Blüthenstunden
Schuldlose Lieb' an Hymens Traualtar
Mit Myrthenketten fest verbunden,
Und schwelge noch an seines Lebens Ziel,
In seiner Jugend seeligstem Gefühl,
Sind auch der Jahre viel' ihm längst verschwunden.
(Quelle: Charlotte de Latour: "Die Blumensprache oder Symbolik des Pflanzenreichs")

Die Geschichte um Baucis und Philemon auf Wikipedia.

Ein bekanntes Volkslied behandelt den Lindenbaum

Der Lindenbaum
Wilhelm Müller, 1822 (1794-1827)

Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum
Ich träumt in seinem Schatten
So manchen süßen Traum
Ich schnitt in seine Rinde
so manches liebes Wort
Es zog in Freud und Leide
|: Zu ihm mich immer fort :|

Ich mußt auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht
Da hab ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht
Und seine Zweige rauschten
Als riefen sie mir zu:
"Komm her zu mir, Geselle
|: Hier findst du deine Ruh :|

Die kalten Winde bliesen
Mir grad ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe
Ich wendete mich nicht
Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von diesem Ort
Und immer hör ich's rauschen:
 |: "Du fändest Ruhe dort :|

Gedichte

Bei einer Linde

Seh ich dich wieder, du geliebter Baum,
In dessen junge Triebe
Ich einst in jenes Frühlings schönstem Traum
Den Namen schnitt von meiner ersten Liebe?

Wie anders ist seitdem der Äste Bug,
Verwachsen und verschwunden
Im härtren Stamm der vielgeliebte Zug,
Wie ihre Liebe und die schönen Stunden!

Auch ich seitdem wuchs stille fort, wie du,
Und nichts an mir wollt weilen,
Doch meine Wunde wuchs - und wuchs nicht zu,
Und wird wohl niemals mehr hienieden heilen.

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Heidekraut

Bild: Leo Michels
Das Heidekraut gehört zur Familie der Heidekrautgewächse. 

Man nennt es auch Erika, Blutglöckchen, Besenheide, Brandheide, Brauttreue. Die Blütezeit ist von Juni bis Oktober. 

Dem Heidekraut wird als Heilwirkung zugeschrieben: es soll harntreibend, blutreinigend, desinfizierend, stoffwechelfördernd, entzündungshemmend, schmerzstillend, beruhigend und herzstärkend wirken.

In der Symbolik bedeutet Heidekraut Tod, Kargheit, Leere, Trauer, Verdammnis.

Die Blumensprache sagt: "Ich liebe die Einsamkeit."
Oder: "Besuche mich in meiner Einsamkeit."



Charlotte de Latour über das Heidekraut

Haidekraut. Einsamkeit. 

Bild: Leo Michels
Auf den Wiesen stehen Blumen, auf den Feldern keimen Saaten empor, auf den Hügeln sieht man grüne Weinranken und auf den Gebirgen dunkle Wälder. O ihr glücklichen Landbewohner! Ihr könnt Euch auf dem grünen Teppich der Wiesen an kunstlosen Tänzen erfreuen, ihr bekränzt Euch mit den Kornähren der Ceres, ihr labt Euch an den Gaben des Bacchus und Ihr ruht in den Schatten der Wälder. Ihr könnt es, denn alles gewährt dem glücklichen Genuß.

Von der Schwermuth geleitet, will ich meine Schritte nach jenem entlegenen Orte richten, den das unbeachtete Haidekraut, die Einsamkeit liebend, dem Fleiße des Menschen streitig macht. Hier, ruhend unter den Schatten eines kleinen Gesträuchs, will ich mich ernsten Betrachtungen überlassen, und bald werden von allen Seiten Unglückliche, Leidende, Gebeugte, wie ich, mich umgeben.

Das Rebhuhn, seiner jungen Brut beraubt, aus seinem Gebüsche verscheucht; die Hündin, verfolgt von Hunden, der Haase, aufgescheucht von ihrem Gebelle, und das scheue Kaninchen, das anfänglich vor meinem Anblick zurückschaudern wird. Bald werden sie aber alle mit mir und meinen Thränen vertraut seyn, sie werden sich an meinen Anblick gewöhnen und vielleicht zu meinen Füßen Schutz vor den Verfolgungen der Menschen suchen!

Auch Ihr umschwärmet mich, arbeitsame Bienen! Wenn ich einen Zweig des Haidekrautes in meinem einsamen Gebiete pflücke, so kommt ihr wohl gar summend zu meiner Hand, um den Honig dort einzusaugen, den ihr einsammelt. Ach! nicht für Euch selbst, nur für Andre! Und ihr, muntern Haselhühner, mit den kreischenden Stimmen! Ihr werdet für mich und Euch die Zeit messen, die dahin flieht, und in dieser Oede keine Spur, aber auch keine Reue zurückläßt.

Süße Tauben, zärtliche Nachtigallen! Euer Girren und Eure Seufzer sind für die Wohlgerüche duftenden Lustwälder gemacht. Aber ich werde mich nicht mehr in ihren Schatten freundlichen Träumen überlassen. Die rauhe Stimme des Bewohners dieser Wüste macht mich schüchtern und erstarren. Für mich hat sie einen geheimen Reiz. Bei'm ersten Strahl des Mondes wird diese traurige Stimme durch die Luft tönen. Der König dieser Einsamkeit, der Uhu, wird den hohlen Stamm einer Jahrhundert alten Eiche verlassen, und sich auf einen Zweig schwingen, der seinen Thron von Moos verbirgt; seine Stimme erschreckt die furchtsame Geliebte, die ängstlich die Stunden der Abwesenheit zählt; die Mutter, wachend am Bette ihres einzigen Kindes, das im Fieberschauer liegt, erfüllt sie mit schrecklichen Ahnungen; aber sie tröstet auch den Unglücklichen, dem Alles, was ihm hienieden lieb und theuer war, das finstre Grab verschlungen hat. —

Oft erweckten Dich, schwermüthiger Young! dieser schauervollen Töne, um Dich an Tod und Unsterblichkeit zu erinnern; oft weckten sie auch mich, und wenn sie mich auch nicht, wie Dich, zu erhabenen Gesängen begeistern, so erinnern sie mich doch an die Nichtigkeit der gehaltlosen Freuden einer verderbten Welt und flößen mir Liebe zur Einsamkeit ein.

Im milden bunten Weltgewühle,
Das unbefriedigt nur zerstreut, erschlafft
Zur Uebung ernster Pflicht die Kraft,
Ersterben all' die besseren Gefühle
Mir Ruhe, fromme Häuslichkeit;
Nur, von der großen Welt geschieden,
Fern von Verfolgung, Haß und Neid,
Erlangt das stürm'sche Herz den Frieden,
Wo ein Asyl dem Lebensmilden,
Die Freundschaft und die Liebe beut.


Gedichte

Sommer
Hermann Löns (1866-1914)

Über die Heide ziehen Spinneweben
Von Halm zu Halm ihr silberweißes Tuch,
Am Himmelsrande weiße Wölkchen schweben
Und weißes Wollgras wimpelt überm Bruch.

Es glüht die Luft wie ein Maschinenofen,
Kein Menschenleben regt sich weit und breit,
Der Baumpieper nur schmettert seine Strophen
Und hoch im Blau der Mäusebussard schreit.

In rosa Heidekraut den Leib ich strecke,
Das Taschentuch ich auf die Augen breit',
Weit von mir ich die schlaffen Glieder recke
Und dehne mich in süßer Müdigkeit.

O Grabesschlaf, wollüstiges Genießen!
Wenn dieser müde Menschenleib verwest,
Wenn die Atome auseinanderfließen
Und Glied an Glied sich reckend, dehnend löst.

Im Heidekraut
Heinrich Gassert, 1905
Aus der Sammlung Heimatstrauß

Wenn wir Kinder Ziegen hütend
Droben auf dem Hügelhang
Tief im braunen Heidkraut lagen,
War bald ein Gespräch im Gang.

"Über uns, dort wo die Tannen
Rings um alte Steine steh'n,
Sahen längst verstorb‘ne Leute
Geister um den Hügel geh'n."

"Stand vor vielen, vielen Jahren
Hier einmal ein altes Schloß.
Mitternachts zur Geisterstunde
Wiehert oft dort noch ein Roß."

"Auch ein Schatz liegt da begraben,
Neulich suchten sie darnach.
Bis Schlag Zwölfe aus dem Boden
Zischend eine Flamme brach."

"Einmal saß ich selbst dort oben,
Auf den Resten eines Walls.
Plötzlich stand ein Reh daneben,
Hergezaubert jedenfalls."

"Ja, und unsre alte Kirche
Noch aus Klosterzeiten stammt.
Bis auf heut' zwei Klosterfrauen
Sind zum Geistern dort verdammt."

"Habe selbst sie klagen hören
Manche Nacht gar schauderbar
Drüben auf dem Kirchendache,
Wenn's nicht eine Eule war.

"Dann dort unten, wißt's ja alle,
Wo ein Pfahl der Stadt zuweist,
Läuft ein Feldweg schnurgerade,
Den man noch den Rempart heißt."

"Rempart heißt auf gut französisch
Wallgang: und das kommt daher,
Weil man dort vor den Franzosen
Sich verschanzte kreuz und quer."

"Sollen dort begraben liegen
Viel Soldaten. Oft genug
Kommt man noch auf alte Knochen
Jedes Frühjahr mit dem Pflug."

"Als ich kurz erst meinem Paten
Pflügen half am selben Ort,
Bin ich selbst auf was getreten,
Arm' und Beine lagen dort."

"Ho, hoiho, das ist gelogen!"
Scholl's da aus der kleinen Schar.
"Immer wenn du was gesehen,
Ist die Hälfte dran nicht wahr!"

Und da ward ich denn gehauen,
Doch im Scherz nur und zum Spaß.
Denn beim nächsten Haidkrautliegen
Hieß es doch: "Erzähl' uns was!"


Rainweide - Liguster



Bild: Leo Michels
Die Liguster, oder selten Rainweide genannt, sind eine Pflanzengattung aus der Familie der Ölbaumgewächse.

Die Blumensprache sagt: "Hast du mich schon vergessen, da du mich gar nicht mehr beachtest?"











Und was sagt die Kennerin der Blumensprache, Charlotte de Latour über die Liguster?

Rainweide; Vertheidigung. 

Warum haben Sie denn nicht eine starke Schutzwehr von stachlichen Dornen statt dieser Reihe von blühenden Rainweiden um Ihren Garten gepflanzt? fragte eine junge Mutter einen Dorfgeistlichen.

Liguster-Blüte
Bild Leo Michels
Dieser versetzte: „Wenn Sie Ihrem Töchterchen ein gefährliches Vergnügen untersagen, so suchen Sie durch ein freundliches Lächeln auf ihrem Munde diesem Verbot mehr Eingang zu verschaffen. Aus Ihrem Blick spricht Zärtlichkeit, und wenn die Kleine sich doch widerspenstig zeigt, so bietet ihre mütterliche Hand ihr ein Spielzeug dar, das sie beruhigt."









Frucht der Liguster
Bild: Leo Michels
„So soll auch diese Einzäunung von Rainweiden nur die Zudringlichen und Unbescheidenen abhalten, ohne sie zu verwunden, und selbst denen, welchen sie den Eintritt versagte, noch freundliche Blüthen darreichen."

Dienstag, 26. Februar 2013

Gedichte über Blumen und Blumensprache

Bild: pixabay

Wie auch schon in einigen anderen Beiträgen, lege ich besonderen Wert darauf, dass hier in meinem Blog hauptsächlich Dichter vorgestellt werden, die zum Einen in der Zeit gewirkt haben, in der die "Blumensprache" eine "Sprache" von großer Bedeutung war und die zum Anderen nicht vielfach im WWW zu finden sind. Es mag sein, dass die Sprache bzw. Ausdrucksweise der damaligen Zeit für uns heute etwas fremd klingt. Vielleicht gerade deshalb und in der heutigen schnelllebigen Zeit, sollte man sich auch ab und zu mit den Dichtern und Denkern der Zeit unserer Vorfahren beschäftigen, denn sie hatten ein ganz anderes Verhältnis zur Natur. Ob das wohl nicht manches Mal auch zum Nachdenken anregt?

Preisgesang auf die Blumensprache. 

Es deuten die Blumen des Herzens Gefühle,
Sie sprechen manch heimliches Wort;
Sie neigen sich traulich am schwankenden Stiele,
Als zöge die Liebe sie fort.
Sie bergen verschämt sich im deckenden Laube,
Als hätte verrathen den Wunsch sie dem Raube.

Sie deuten im leise bezaubernden Bilde
Der Frauen, der Mägdelein Sinn:
Sie deuten das Schöne, die Anmuth, die Milde,
Sie deuten des Lebens Gewinn:
Es hat mit der Knospe, so heimlich verschlungen,
Der Jüngling die Perle der Hoffnung errungen.

Sie weben der Sehnsucht, des Harmes Gedanken
Aus Farben ins duftige Kleid.
Nichts frommen der Trennung gehässige Schranken,
Die Blumen verkünden das Leid.
Was laut nicht der Mund, der bewachte darf sagen,
Das waget die Huld sich in Blumen zu klagen.

Sie winken in lieblich gewundenen Kränzen
Die Freude zum festlichen Kreis,
Wenn flatternd das ringelnde Haar sie umglänzen,
Dem Bachus, der Venus zum Preis;
Denn arm sind der Götter erfreuende Gaben,
Wenn Leyer und Blumen das Herz nicht erlaben.
Pl.

Seine Blumen. 

Tausend der Blumen blüh'n in meinem Garten.
Schon durch des Jennerschnees krystallne Rinde
Drängen sich frühlingahnend des Galanthus
Silberne Glöckchen.

Tief^im Gesträuche schwillt die Anemone,
Rings auf den Beeten glänzt der güldne Krokos.
Heimlich erröthend strömt das blode Veilchen
Köstliche Düfte.

Lockt dich der Schmelz der vielgefärbten Primel?
Freut dich der Silberstaub der Sammtaurikel?
Liebst du vielleicht der liebesiechen Echo
Blendenden Günstling?

Tausend der Blumen funkeln in dem Kranze,
Welcher des Sommers glühn' de Schläfe kühlet,
Lilie du, und Nelk' und du, o Rose,
Cypriens Brautschmuck.

Tausend der Blumen blüh'n in meinem Garten,
Oftmal pflückt' ich die duftigsten, die schönsten;
Barg sie zunächst ans Herz mir, wahrte sorgsam
Tief sie im Busen.

Dir sie zu geben, wenn der Abend wehte,
Dir sie zu reichen, wenn der Abschied schallte,
Daß sie ein leises "Gedenk' mein" dir hauchten,
Schmachtet' und brannt' ich.

Aber mich hielt die Angst, die arme Gabe
Ach, verschmäht zu sehn von der Hochverehrten.
Traurig entwandt ich dir mich, meine Blumen.
Welketen traurig.

Klein und gering ist die Gabe treuer Liebe.
Aber verschmäht zu sehn die arme Gabe,
Knicket des Lebens Blume, stößt den Mordstahl
Tief in das Herz mir.
L. Th. Kosegarten *)


Die Blumenchiffre. 

Eine Eugenia sah' ich, vermählt dem edlen Platanus,
Froh des vertraulichen Schirms, blüheten Blumen umher;
Jegliche anders gefärbt, und jegliche anders gestaltet,
Jegliche anders begabt von der Natur und dem Gott.
Schwermuth duftend entgegen der strahlenden Sonne der Schönheit,
Wendend den ahnenden Blick, schoßte der Heliotrop.
Brennender blüht' und brannte zugleich die schöne Irora.
Stilleren Reizes zunächst senktest du blöde den Blick,
Holde Mimosa. Es hing der gedankenhauchende Diptam
Schweigsam das sinnige Haupt. Göttern und Menschen geliebt,
Funkelt im Schmelz des Rasens die tausendblättrige Bellis.
Ein Schneeglöckchen entsproß keimend dem grünenden Grund.

Schlanke Eugenia, dir, gestützt auf deinem Platanus,
Danket der schimmernde Strauß reinen harmonischen Sinn.
Streb' empor in freudiger Kraft, getränkt von Aurorens
Duftigsten Thränen, von Gäa's kräftigstem Marke genährt.
Spät laß sinken, Geliebte, die liebesäuselnden Blätter.
Spät einst welkend, verstreu' welkend den süßesten Duft.
Schön und bedeutend verwallt der Blum' unschuldiges Leben;
Friedlich durchblüht sie des Seyns freundlich beschlossenen Kreis,
Giebt nach verströmtem Duft und verstreutem Samen dem Aether
Farb' und Geruch, den Stoff ruhig der Tellus zurück. 
L. Th. Kosegarten.*)

Tellus = (lateinisch „Erde“) ist in der römischen Mythologie die Gottheit der mütterlichen Erde.

Gäa, ist in der griechischen Mythologie die personifizierte Erde und eine der ersten Götter.


Aether steht hier offenbar für "der blaue Himmel"

Bellis = Gänseblümchen


Quelle: "Taschenbuch der Blumensprache oder Deutscher Selam, mit einer Anthologie aus den besten Dichtern zur Charakterisierung der Pflanzen Deutschlands" von J. M. Braun


*) Ludwig Gotthard Kosegarten geb. am 1. Februar 1758 in Grevesmühlen; gest. am 26. Oktober 1818 in Greifswald; war langjähriger und berühmter Pastor der Pfarrkirche Altenkirchen auf Rügen, später Professor an der Universität Greifswald. Er hat sich auch als Dichter einen Namen gemacht. (Quelle: Wikipedia)

Das Mädchen und die Blumen

Das Mädchen und die Blumen. 

Das Mädchen.

Süße Blumen, seyd willkommen
In des Jahres goldner Zeit,
Ach, ihr seyd so spät gekommen,
Und der Sommer ist nicht weit.

Könnt ihr meine Stimme hören,
Könnt ihr meine Blicke sehn?
Sagt mir, welche will mich lehren
Euer leises Wort verstehn?

Sagt mir, welche soll ich wählen
Zur Gespielin in dem Mai?
Welche will mir gern erzählen,
Wo die schöne Heimath sey?



Wähle mich ! mit reinem Kleide
Schmückte mich der Mutter Hand,
Unschuld wurde mein Geschmeide,
Und so bin ich dir verwandt.




Das Veilchen

Wähle mich, ein süß Verlangen
Wohnt in meinem zarten Blau;
Doch es kühlt die warmen Wangen
Freundlich mir der reine Thau.




Die Rose

Wähle^mich, denn treu behüten
Lehr' ich dich durch heil'ge Scham
Deiner Jugend keusche Blüten
Ohne Reue, ohne Gram.



Der Rosmarin. 

Wähle mich, denn hoffend bindet
Mich die junge Braut ins Haar;
Wähle mich, denn hoffend windet
Mich die Trauer um die Bahr.







Das Mädchen.

O ihr Freundlichen, umgeben
Sollt ihr alle meinen Mai,
Sollt mir sagen, was im Leben,
Was im Tod das Schönste sey!

Aloys Schreiber

Quelle: Taschenbuch der Blumensprache von J.M. Braun, Januar 1843
Fotos: Rose, Lilie pixabay, Rosmarin, Veilchen  Leo Michels

Aloys Wilhelm Schreiber, geboren am 12. Oktober 1761 in Bühl (Baden); gestorben am  21. Oktober 1841 in Baden-Baden Oos. Schreiber war Lehrer und Professor der Ästhetik, Hofhistoriker, Schriftsteller und Reisebuchautor.

Montag, 25. Februar 2013

Chrysantheme

Carl Axel Magnus Lindman
[Public domain],
 via Wikimedia Commons
Die Chrysantheme, auch Goldblume oder Garten-Wucherblume genannt,  ist ein Symbol für langes Leben, Heiterkeit unter schwierigen Bedingungen, zurückgezogenes Leben, Totengedenken,, Liebe über den Tod hinaus.

Die Blumensprache sagt: "Lass mich einen Blick in meine Zukunft werfen."

Die Chrysantheme ist ursprünglich in Sizilien und auf der Insel Candia einheimisch; sie ist einjährig, hat einen aufrechten, ästigen, 2 - 3 Fuß hohen Stängel, mit gefiederten, eingeschnittenen Blättern und gelben oder blaßgelben (selten fast weißen), einfachen, oder gefüllten Strahlenblumen , mit welchen sie vom Juli bis in den September geschmückt ist.

Die purpurrote Wucherblume (Chrysanthemum purpureum) ist ausdauernd, hat einen fast holzigen Stängel, entfaltet die großen purpurroten, bisweilen gelben oder verschiedenartig gefärbten Strahlenblumen, welche bald einfach, bald gefüllt sind, im Spätherbst.

Foto: Leo Michels
Sie wird gewöhnlich in Töpfen gezogen und stammt aus Ostindien. Man nennt sie wohl insgemein auch die Indische Wucherblume (Chrysanthemum indicum), von der sie aber, obgleich ihr sehr ähnlich, verschieden sein soll.


Bereits im Jahre 1764 wurde ein getrocknetes Exemplar davon  der Royal Society in London vom Apotheker Garten in Chelsea überliefert. und zwar unter dem Namen der Matricaria Indica, des Indischen Mutterkrautes.

Gedichte

Das war der Tag der weißen Chrysanthemen, -
mir bangte fast vor seiner schweren Pracht ...
Und dann, dann kamst du mir die Seele nehmen
tief in der Nacht.

Mir war so bang, und du kamst lieb und leise, -
ich hatte grad im Traum an dich gedacht.
Du kamst, und leis wie eine Märchenweise
erklang die Nacht ...

Rainer Maria Rilke

Alpenveilchen

Das Alpenveilchen gehört zur Familie der Primelgewächse.

Die Blütezeit ist von Juli bis Oktober.

Meist gedeiht es in Räumen in Blumentöpfen, in freier Natur ist es selten geworden. So ist es zu einer der beliebtesten Zimmerpflanze geworden. Die Wurzel der Pflanze ist giftig.

Als Heilmittel wird das Alpenveilchen nur in der Homöopathie verwendet.

Die Symbolik sagt: Schutz der Geburt und der Frau, Schmerz, Reinigung, Bescheidenheit, Zartheit.

Die Blumensprache sagt: "Sie sind mir gleichgültig." oder "Deine Schönheit ist beneidenswert."

In der freien Natur findet man Alpenveilchen vorwiegend in den Gebirgen Südeuropas, das Echte Alpenveilchen auch in Bayern, den Berchtesgadener Alpen sowie in den Kalkalpen.

Die Pflanzen benötigen nährstoffreichen, feuchten Humusboden und sehr viel Wärme.

Alpenveilchen sind in der Natur recht selten zu finden, die am meisten verbreitete Art ist das Neapolitanische Alpenveilchen.

Diese Pflanzen werden in den verschiedensten Formen auch in Gärten gezogen.

 (Fotos auf dieser Seite von Pixabay)


Krokus

Foto: pixabay
Der Krokus ist aus den Rasen unserer Gärten nicht mehr hinweg zu denken.

Er gehört zur Familie der Schwertliliengewächse. Andere Namen: Safrankrokus, Gelbe Würze.

Die Blütezeit ist von August bis November. Die Frühjahrs-Krokusse blühen von Februar bis März und sind damit weitere Frühlingsboten.

Als Heilwirkung wird dem Krokus zugeschrieben: abführend, windtreibend, krampflösend, aufbauend.

Die Pflanze ist schwach giftig.

Die Blumensprache sagt: "Ich bitte um Bedenkzeit."

Und was sagt Charlotte de Latour zum Krokus bzw. Wiesenzeitlose?

Meine schönen Tage sind verflossen. In den letzten Tagen des Sommers schimmert auf dem Grün der feuchten Wiesen eine Blume, gelb, wie der früh blühende Safran; es ist die Wiesenzeitlose. Aber, weit entfernt, wie dieser, Freude und Hoffnung zu erwecken, verkündet sie das nahe Ziel der schönen Tage.

Die Alten glaubten, diese Pflanze stamme von den Gefilden in Colchis her, und verdanke ihre Entstehung einigen Tropfen des Zaubertranks, den Medea zubereitete, um den Greis Aeson zu verjüngen. Dieses Märchen nährte lange den Wahn, daß die Wiesenzeitlose ein Verwahrungsmittcl vor allen Krankheiten sey. Die Schweizer binden diese Blume um den Hals ihrer Kinder und glauben sie dadurch vor allen Unfällen gesichert. Die thörichre Meinung von der Wunderkraft dieser Pflanze hatte selbst sonst sehr verständige Menschen irre geführt, und nur den Bemühungen des berühmten Haller's gelang es endlich, diesen leeren Aberglauben der Unwissenheit zu vertilgen. Indeß Verdient die Wiesenzeitlose, wegen ihrer sonderbaren Eigenheiten, immer die genaue Prüfung der Pflanzenkundiger.

Ihre Krone, aus sechs violetglänzenden Einschnitten bestehend, hat weder Blätter noch Stengel; ein langes Rohr, weiß wie Elfenbein, nur eine Verlängerung der Blume selbst, dient ihr zum Stengel; am Ende derselben befindet sich das Saamenkörnchcn, das erst im folgenden Frühling zur Reife gedeiht. Die Hülse, die es umschließt, tief in das Gras gehüllt, trotzt der stärksten Winterkälte; aber in den ersten warmen Tagen erhebt sich diese Art von Wiege aus der Erde und schaukelt sich in den Sonnenstrahlen, umgeben von einem Büschel breiter Blätter vom freundlichstem Grün.

So vermischt diese Pflanze, gegen den gewöhnlichen Gang der Natur, ihre Früchte unter die Blumen des Frühlings und ihre Blumen unter die Früchte des Herbstes. Aber immer hat das sanfte Lamm einen Widerwillen dagegen, und die zärtliche Schäferin wird bei ihrem Anblick wehmüthig; und wenn zuweilen die Schwermut von ihren matten blauen Blumen einen Kranz flicht, so soll er nur der Erinnerung jener glücklichen Tage geheiligt werden, die unwiederbringlich verschwunden sind.
(alte Schreibweise wurde beibehalten)

Primel - Kulturform

Foto: Leo Michels
Primeln - auch Schlüsselblumen genannt - sind eine der ersten Frühlingsboten. In Gewächshäusern werden sie vorgezogen und sind sofort nach Beginn des Frühlings als wunderschöne Farbtupfer in Blumenbeeten zu sehen.

Die Schlüsselblume ist die ursprünglich wild wachsende Form und steht in Deutschland unter Naturschutz. Sie ist häufig auf feuchten Wiesen zu finden. Auf dem ersten Foto sehen Sie u. a. die ursprüngliche Schlüsselblume in gelber Farbe. Es ist verboten, pflanzen in der Natur mit ihren Wurzeln auszugraben.

Foto: Pixabay
Auch in der Medizin hat die Schlüsselblume eine Bedeutung. Häufig wird sie bei Erkrankungen der Atemwege verwendet.

Es gibt über 500 Arten auf der nördlichen Halbkugel, die meisten in China.

Das zweite Foto zeigt die hier sehr bekannte und im Handel angebotene Kulturform
Prymula vulgaris-Hybride.

Die Schlüsselblume aus Sicht der Blumensprache wird in einem anderen Beitrag behandelt: Schlüsselblume

Sonntag, 24. Februar 2013

Iris - Schwertlilie


Blaue Schwertlilie
Bild Leo Michels
Die Iris - auch Schwertlilie genannt - gehört zur Familie der Schwertliliengewächse.

Die Blütezeit ist von Mai bis Juli. Heilend wirkt die Iris zum Blutstillen, zur Wundheilung, sowie harntreibend.
In der Symbolik bedeutet die Iris Sieg, Glauben, Treue, göttliche Botschaft.

Die Blumensprache sagt: "Ich werde um dich kämpfen." Oder in der Blumensprache von J. M. Braun: "Der Schmerz, der mich durchbohrt, erlischt erst nach dem Tode." In einer anderen Quelle heißt es: "Meine Ruhe hast du mir geraubt."

So unterschiedlich wie die Bedeutungen in der Blumensprache sind auch die Artikel in älteren Büchern aus der Zeit, in der die Blumensprache eine große Bedeutung hatte.

Ein Ausschnitt aus einem dieser Werke:

Die Iris oder Schwertlilie, Sinnbild des Starkmuthes. 

Kampf ist unser Losungswort.
Wo wir blüh'n, an jedem Ort',
Sind wir kampfbereit,
Haben's Schwert zur Seit'.
Blicken im Verlauf
Heißen Kampfes auf
Zu dem Herrn, dem Gott der Krieger, Und so sind wir immer Sieger.
Sonngebräunt, den Bart nur klein,
Und im schmucken Waffenschein,
Gelbe Schwertlilie
Bild Leo Michels
Zieh'n wir dann im Himmel ein.

Brüder, seid stark im Herrn und in der Macht seiner Kraft. Ziehet an die Rüstung Gottes, stehet mit Wahrheit umgürtet und angethan mit dem Panzer der Gerechtigkeit; ergreifet den Schild des Glaubens, und nehmet den Helm des Heiles (d. i. die Hoffnung) und das Schwert des Geistes, welches ist das Wort Gottes; denn wir haben nicht blos zu kämpfen wider Fleisch und Blut, sondern auch wider die Geister der Bosheit u. s. f.
Ephes. 6, 10-l7.
(Aus "Blumensprache in christlicher Übersetzung von 1848)

In einer neueren Quelle las ich, dass der Name Iris hergeleitet wurde von der Iris, dem farbigen Teil des Auges: Iris griechisch = Regenbogen. In Regenbogenfarben sind auch die Blüten der Iris bzw. Schwertlilie.

Gedichte

Im Achilleon beginnt die Iris zu blühn

Im Achilleon beginnt die Iris zu blühn,
in Irisfarben die Wolken sprühn,
ein lila Hauch umspinnt die Steine.
- Das war die Zeit, da sie kam, die Reine,
und still und ernst durch die Wälder zog -
um ihr Haupt wildkreisend ein Adler flog!

So wandert sie vor mir auf allen Wegen,
ich seh ihren Schatten auf allen Stegen.
Sie war so glücklos, so glücklos wie ich -
und sie ging, es zu suchen, bis sie erblich!

Im Achilleon beginnt die Iris zu blühn,
und irisleuchtende Wolken ziehn.

Hermione von Preuschen

Auf die Iris

Der Iris blühend volle Brust
Reizt uns, o D, zu welcher Lust!
Doch ihr erbärmliches Gesichte,
O D, macht Reiz und Lust zu nichte.
Sieh, Freund, so liegen Frost und Flammen,
Und Gift und Gegengift beisammen.

Gotthold Ephraim Lessing

Ein weltbekannter Maler, Vincent Willem van Gogh, hat die Schwertlilie in einigen seiner Gemälden in wunderschönen Farben festgehalten.
Die Werke van Goghs und die vieler anderer Künstler finden Sie auf Meisterwerke-Online

Hyazinthe

Foto Leo Michels
Die Hyazinthe gehört zur Familie der Hyazinthengewächse. Die Blütezeit ist von März bis Mai. Wildwachsend ist die Hyazinthe blau, in Kulturen und veredelter Form hat sie vielfältige Farben.

Der Hyazinthe werden auch verschiedene Heilwirkungen zugeschrieben. So soll sie zum Beispiel durchblutungsfördernd, wärmend, abführend, sexuell kräftigend wirken.

Die Grundbedeutungen in der Symbolik sind Hoffnung, Wiedererwachen der Natur, neue Aktivitäten, schnelles Vergehen irdischer Schönheit, Treue.

Die Blumensprache sagt: "Deine Kälte lässt mich verschmachten!"

Sind es nicht die Hyazinthen, die uns im Frühjahr mit ihren vielfältigen Farben und betörendem Duft erfreuen? Durch ihre frühe Blütezeit ist die Hyazinthe ein erster Frühlingsbote. Oft dient sie auch als Topfpflanze als nettes Geschenk, aber auch in unseren Gärten erfreut sich die Hyazinthe großer Beliebtheit.

In der Antike wuchsen die Hyazinthen in den Gärten der Araber. Erst im 16. Jahrhundert gelangten sie nach Europa.

Gedichte

Mit einer Hyazinthe

Aus dem Zaubertal dortnieden,
Das der Regen still umtrübt,
Aus dem Taumel der Gewässer
Sendet Blume, Gruß und Frieden,
Der dich immer treu und besser,
Als du glauben magst, geliebt.

Diese Blume, die ich pflücke,
Neben mir vom Tau genährt,
Läßt die Mutter still zurücke,
Die sich in sich selbst vermehrt.
Lang entblättert und verborgen,
Mit den Kindern an der Brust,
Wird am neuen Frühlingsmorgen
Vielfach sie des Gärtners Lust.
Johann Wolfgang von Goethe

Die Hyazinthe

Ich grüße dich, du wunderbarer Duft,
Der sich in diesen zarten Kelchen wieget,
Du Schiff, worin durch dunkelblaue Luft
Die Seel' entzückt nach fernen Ufern flieget.
Das Steuer ist ein alter, alter Traum
Von andern Zeiten, himmelschönen Auen,
Gold ist der königlichen Ströme Schaum
Und hohe, schlanke Palmen sind zu schauen.

Die Lotosblume schwimmt auf blauer Flut,
Die Welle scheint mit holder Scham zu fragen,
Welch Wunder ihr im keuschen Schoße ruht?
Doch nur die Kinder wissen es zu sagen.
Friedrich Theodor Vischer

Hyazinthe

Hyazinthe war die teure
Lieblingsblume meiner Mutter,
Die ein Lenzeskind gewesen,
Eine echte Märzgeborne.

Jährlich um des Monats Mitte,
Trat ich morgens in ihr Zimmer
Und bescherte zum Geburtstag
Ihr die ersten Hyazinten.

Lenz durchglomm ihr blaues Auge,
Wob in ihrem feinen Antlitz
Und umstrahlte noch im Alter
den kastanienbraunen Scheitel.

Märzenstark war ihre Seele,
Die sich hob aus allem Niedern
Zum Erhab'nen und zum Zarten
Wie auf sichtbar hellen Schwingen.

Und auch diese Edle wurde
Hingebeugt von Erdenschwere,
Ihre lichte Liebe wankte
Kummervoll zu eis'ger Grabnacht.

Dorthin um des Monats Mitte
Trag' ich jetzt die Märzengabe
Süßester Erinnerungen,
Meinen ganzen toten Frühling!
Emil Claar


Schlank auf schlankem Blüthenstengel
Ragst du in die Maienluft,
Mit den Tinten ohne Mängel,
Mit dem wonnevollen Duft.

Wie so lieblich deine Kelche
Sich zur Blumentraube reih'n,
Von den andern Blumen welche
Kann den Anblick uns verleih'n?

Wohl an Duft balsamisch feiner,
Uepp'ger auch, das geb' ich zu,
Aber zarter ist und reiner
Keine Blume, als wie du!

Angehaucht von deiner Nähe,
Wird's in jedem Innern licht,
Denn es ist, als ob man sähe
In ein Engelsangesicht.
Ludwig Gemminger

Levkoje

Dreihörnige Levkoje (Matthiola tricuspidata)
Foto Wikipedia public domain
Die Levkoje gehört zur Familie der Kreuzblütler. Man nennt sie auch Weißveilchen oder Damenveilchen.

Die Blütezeit ist von Mai bis September. Die Urform der Blüte ist weiß oder leicht rötlich, tropfenförmig. Die Blüte hält sehr lange, der betörende Duft noch länger.

Es gibt im Handel viele veredelte Formen der Levkoje. Meist haben die Blüten mehr Fülle und die Farben wechseln.

Als Heilwirkungen sind bekannt: Die Levkoje wirkt schweißtreibend und auswurffördernd.

Die Grundbedeutungen in der Symbolik sind friedvoll, unbeschwertes Dasein.

Die Blumensprache sagt: "Ich glaube an eine gemeinsame Zukunft." Eine andere Quelle sagt: "Ich bitte um deine Freundschaft."

Und was schreibt die Kennerin der Blumensprache über die Levkoje?

Levkoje. dauerhafte Schönheit. De Griechen, ob sie gleich die Blumen sehr liebten, verstanden doch nicht die Kunst, sie zu ziehen und zu verschönern: sie pflückten sie nur vom Felde und erhielten sie allein aus der Hand der einfachen Natur. Die Römer fanden auch, als sie Griechenlands Küsten sich zu eigen machten, Geschmack an Blumen, und eine so auffallende Vorliebe für Blumenkronen, daß man den Privatpersonen ihren Gebrauch untersagen mußte.

Diese ehemaligen Weltgebieter zogen nur Veilchen und Rosen, und ganze Felder, mit diesen Blumen besät, thaten dem Rechte der Ceres Abbruch. Den kriegerischen Galliern blieb lange jede Art von feinerem Lebensgenuß unbekannt; ihre nur zum Kampf gewöhnte Faust verschmähte sogar den Pflug. In ihren Gärten, das Besitzthum eines Stammes, wuchs keine aromatische noch Küchenpflanze. Aber endlich wurden die Sitten milder.

Karl der Große, der Schrecken der Welt und der Vater seiner Völker, liebte die Blumen. In einer seiner Verordnungen empfahl er den Anbau von Lilien, Rosen und Levkojen. Nur im dreizehnten Jahrhundert wurden in seinem Reiche Blumen fremder Zonen verpflanzt. Zur Zeit der Kreuzzüge brachten die heimkehrenden Ritter und Knappen viele bisher unbekannte Arten aus Egypten und Syrien mit. Die Mönche, damals die einzigen, welche sich auf die Cultur des Bodens verstanden, pflegten sie mit Sorgfalt. Nur Blumen gaben ihren einsamen Zufluchtsörtern einen schuldlosen Reiz. Demnächst verbreiteten sie sich in den Lustgärten, sie wurden die Zierde der Feste und der kostbare Schmuck der Schlösser.

Die Rose ist noch die Königin der Lauben, und die Lilie die der Blumenbeete geblieben. Die Rose verblüht freilich geschwinder, die Lilie aber, die sich später entfaltet, welkt fast eben so schnell. Die Levkoje, minder lieblich als die Rose, minder prächtig, als die Lilie, hat aber ei nen dauerhafteren Glanz. Unwandelbarer in ihrer Wohlthätigkeit, bietet sie uns fast das ganze Jahr über ihre schönen pyramidenartigen rothen und violetten Blumen dar, die fortdauernd einen dem Geruch, schmeichelnden Duft verbreiten. Die schönsten Levkojen sind roth, und wetteifern oft mit dem Purpur aus Tyrus. Es giebt auch sehr schöne weiße, violette und federbuschartig gestaltete Levkojen, die viel gefälliges haben. Seit aber Amerika, Asien und Afrika uns ihre reichen Blumenschätze gespendet, ist der Anbau der Levkojen vernachlässigt worden, die, schon früher einheimisch, den Altvordern so lieb waren. Jndeß werden sie doch noch oft mit vorzüglicher Sorgfalt gepflanzt.

In einem Schlosse zu Luxemburg sah man noch vor nicht langer Zeit auf einer großen Terrasse vier Reihen weißer irdener Töpfe, von geschmackvoller Form; diese Töpfe, die amphitheatralisch an beiden Seiten der Terrasse aufgestellt waren, enthielten die ausgesuchtesten rothen Levkojen. Dieser kunstlose Schmuck machte einen sehr angenehmen Eindruck. Hauptsächlich, beim Untergang der Sonne, war es, als wenn helle Feuerflammen in der Mitte dieser schneeweißen Vasen loderten und auf das Grün der Büschel bis zum Blenden schimmerten. Dann ward rund umher die Luft mit einem balsamischen erquickenden Dufte gefüllt. Selbst Frauen von den reizbarsten Nerven fühlten sich nicht davon angegriffen, sondern vielmehr wohlthätig gestärkt. Diese holde Pflanze erscheint daher auf unseren Blumenbeeten, wie ein frisches in der Fülle der Gesundheit blühendes Mädchen, diesem höchsten Gute, ohne welches weder Glück noch Schönheit von Dauer ist.

Gesundheit nur erfrischt das Blut,
Erhält den unbefangnen Muth,
Der Gram und Sorge bald verscheuchet
Das Roth, das sie auf Wangen malt,
Kein trübbewölktes Aug' umstrahlt,
Und jede Schminke vor ihr weichet.

(Charlotte de Latour)
- alte Schreibweise wurde beibehalten -

Freitag, 22. Februar 2013

Rote Valeriana - Spornblume, Baldrian


Bild Leo Michels
Die rote Valeriana. (Spornblume) gehört zu den Baldriangewächsen
Symbol für Leichtigkeit.

Die Blumensprache sagt: Darf im Gefühl der Schuld ich Dir wohl wieder nah'n?

Die Valeriana mit rothen Blüthen ist von den Alpen auch in Gärten verpflanzt worden. Ihr Schmuck ist glänzend, aber immer scheinbar etwas regellos. Diese Bergpflanze behält noch mitten unter den künstlich erzogenen Gartenblumen etwas Wildes, daß ihr den Anstrich eines Emporkömmlings giebt. Aber diese rohe Schönheit verdankt ihr Glück ihrem innern Werth; ihre Wurzel ist sehr heilsam für viele Krankheiten, welche die Weichlichkeit erzeugt; man bedient sich des Aufgusses auf sie zur Stärkung des Gesichts; der Geist wird dadurch aufgeregt und er verscheucht die Schwermuth.
Bild Leo Michels

Ihre Blume blüht fast das ganze Jahr durch. Eine künstliche Anpflanzung verschönert sie zwar, doch verleugnet sie nie ihren ländlichen Ursprung, und sie verläßt die Rabatten der Gärten, um den Rand eines unfruchtbaren Hügels oder die Trümmer einer umgestürzten Mauer zu schmücken. Die in Frankreich in den Gehölzen und auf Wiesen wildwachsende Valeriana ist vielleicht eben so heilsam, als die rothe, und nicht minder schön; aber die Hand des Gärtners vernachlässigt sie, weil ihr der ehrenvolle Ruf fehlt, welcher dieser Pflanze von den Alpen zu Theil geworden ist.

So wird Verdienst, das im Verborgnen wirkt,
zieht glülcklich nicht ein Zufall es an's Licht,
Verkannt und unbelohnt verschmachten.
(Charlotte de Latour)

Dienstag, 19. Februar 2013

Das Schneeglöckchen Prosa

Bild: Leo Michels
Beim Stöbern in verschiedenen alten Werken bin ich auf einige Geschichten über das Schneeglöckchen gestoßen.

Die Schreib- und Ausdrucksweise entspricht zwar nicht mehr dem heutigen Zeitgeist. Wer aber Prosa von alten Dichtern mag, der mag sicher auch diese netten Beschreibungen.

Hier gibt es mehr übers Schneeglöchcken und hier ein Gedicht über das Schneeglöckchen.



Das Schneeglöckchen (von Wilhelm Wagner) 

Als der Engel der Blumen die Kinder des Lenzes erschaffen, und sie alle bekleidet hatte mit Anmuth und Liebreiz, da freute er sich der lieblichen Blumen und dachte, eine zu schaffen noch, mit einfachem Schmucke gezieret, daß sie verklaren möge die Tage des scheidenden Winters. Siehe! da strebten herauf aus dem Schoos der nährenden Erde zarte Blätter mit freudigem Grün; drauf zeigt sich ein Blümchen, weiß, wie der glänzende Schnee. Es sah mit liebenden  Augen zu ihm der Engel hinab, und sprach die segnenden Worte: „Blühe du in Anmuth auf, unschuldiges Blümchen! Mögen vor allen die Kinder Dich lieben, und Deiner sich freuen: Denn Du bist ja ein Bild des beginnenden Lebens und gleichest  stillen Ahnungen, die im jungen Busen sich regen. Wie im glänzenden Weiß der Farben jegliche schlummert, so auch liegt in dem Kind das ganze buntfarbige Leben noch in einem Farbentone und himmlischer Reinheit; — Wie das liebliche Grün uns mahnet zu hoffen, zu harren, So auch zeigt sich im Kind die schöne Hoffnung des Lebenes," also der Engel. —

Das Blümchen nannten Schneeglöckchen die Menschen, und es ward für sie ein Blümchen voller Bedeutung. An das Leben erinnert es uns der munteren Kinder, an die Hoffnungen mahnet es des kindlichen Lebens. Wer verweilte nicht gern im Kreise der Kinder ? — Sie leben noch in einer schöneren Welt, wo Liebe und Unschuld gleich Paradiesesblumen erblühen, wo Güte und Einfalt noch nicht gewichen sind. Auf einem blühenden Eiland lebt das fröhliche Kind, und ruht im Schatten der Bäume, spielt mit Blumen, die es am Rande der Quelle gepflücket, locket die Täubchen herbei und lauscht dem Gesange der Vögel.

Gold'ne Träume umschweben sein Haupt, und wiegen in Schlummer sanft es ein, und es sieht im Traume die Engel und fragt sie, wer die Sterne gemacht, und wer die erwärmende Sonne, wer die Vögel ernährt, und die Fischlein urd die Gewürmer. O! wie so lieblich ist es, zu seyn bei fröhlichen Kindern, und wie freuen wir uns bei ihnen entschwundener Zeiten? —

Wie ein blühender Baum der Hoffnungen viele erreget, so erreget ein Kind die Hoffnungen liebender Menschen. In der Seele des Kinde ruhet der Keim aller Tugend, aller Weisheit und Frömmigkeit und der göttlichen Liebe. Siehe! sie wachsen heran, und werden glückliche Menschen, treffliche Bürger des Staats und eifrige Diener der Kirche, edle Verfechter des Rechts und treue Beförd'rer des Guten, liebende Väter und Mütter und Familienhäupter. O ihr, die ihr des Glücks euch erfreut und des köstlichsten Schatzes, Kinder zu haben, — ach! werdet nicht müd, sie liebend zu pflegen, daß der herrliche Keim, in ihrer Seele gelegen, schön und kräftig erwachse zum Baum, mit Früchten behaftet! Bleibt in der Lieb', und hoffet und glaubt, daß eure Liebe einst mit reichlichem Segen lohnt der himmlische Vater!

Vorwort zum Buch "Schneeglöckchen, Lyrische Erstlingsblüthen" von G Sigmund

Einsam blühte ein Schneeglöckchen im Walde, mit Wehmuth ringsum das schneebedeckte Moos und die schlafenden Blumen betrachtend, Todessehnsucht im Herzen. Da neigte sich, durch des Schneeglöckchens eigenes Grabgeläute aus den Träumen erweckt, mitleidvoll ein junges Tannenbäumchen zu ihm hernieder und flüsterte ihm von dem schönen Frühling voll Sonnenschein und Freude, von dem Frühling, der nun bald seinen Einzug halten werde, zu. Da erbebte auch des Schneeglöckchens Herz voll Lebenslust und Hoffnung, und liebewarm aufschauend zu dem grünenden Bäumchen begann es, den Frühling einzuläuten
(Gottlob Sigmund)

Montag, 18. Februar 2013

Fingerhut


Fingerhut, Roter

Der Fingerhut gehört zur Familie der Rachenblütler.

Andere Namen für Fingerhut: Hexenglocken, Waldglocken, Teufelshut, Giftblume, Schlangenblume.

Die Blütezeit ist von Juni bis August.

Die Bedeutungen in der Symbolik sind Tod, Unheil und Heilung, Trug, lockende Schönheit und lauernde Gefahren.

Die Blumensprache sagt:
"Ich habe bereits schlechte Erfahrung gemacht."
oder
"Du erregst Misstrauen."
"Wie du so keck ist nur ein Geck."

Dem Fingerhut werden auch Heilwirkungen zugeschrieben. Er soll harntreibend, herzstärkend wirken (wegen der Giftigkeit der Pflanze natürlich nur in entsprechend geringen und kontrollierten Dosierungen).

Der Fingerhut kommt in allen Wäldern Mitteleuropas vor, außer auf kalkigen Böden. Alle Pflanzenteile des Fingerhuts sind stark giftig.  Daher sollte man ihn möglichst nicht in Gärten pflanzen, in denen sich Kinder aufhalten, obwohl seine Blüte wunderschön ist.

Gedichte

Waldgruß

Waldhornschall
Hör' ich dahinten im Wasgenwalde!
O sieh, der Fingerhut
Leuchtet von sonniger Halde!
Eidechsen huschen über'n Stein,
Üppig wuchert der Thymian-Rain,
Hummeln hangen am heißen Klee
O Wald, mein Wald!
Nach deinen Wonnen ist mir weh!

Friedrich Lienhard
Aus der Sammlung Heimat

Sonntag, 17. Februar 2013

Erdbeere Walderdbeere

Die Erdbeere gehört zur Familie der Rosengewächse. Sie blüht von April bis Juli, manches Mal bis in den Herbst.

In der Symbolik bedeutet die Erdbeere Frucht guter Werke und Gedanken, Wonnen des Seelenheils, Gutmütigkeit, aber auch irdische Verlockung und Verdammnis, Demut, Bescheidenheit, Reife und Frühreife.

Die Blumensprache sagt: "Du bist mir zu unreif".
Aus anderer Quelle:
Erdbeere (Frucht): Ich bitte um einen Kuss von deinen roten Lippen
Erdbeerblüte: Es gibt eine Neuigkeit

Walderdbeere Blüte
Bild: Leo Michels

Die Walderdbeere 


Die gemeine, wilde oder Walderdbeere hat eine braune Wurzel, die sehr faserig ist und lange fädige nackte Ausläufer treibt, die an einzelnen Stellen Wurzeln schlagen und Oberstöcke treiben, also neue Pflanzen hervorbringen. Die Blätter sind 3  bis 6-zählig, mit eirunden stumpfen, gesägten ungestielten Blättchen, die oben mit zerstreuten anliegenden Haaren besetzt, unterseits aber fast ganz seidig und graugrün sind.

Walderdbeere Frucht
Bild: Leo Michels


Die Walderdbeere gedeiht auf lichten Wald- und Grasplätzen, bei sonniger Lage und fettem Boden in Europa und dem nördlichen Asien. Der Genuss der Früchte  ist gesund und vorzüglich den Bodagristen (an Gicht Erkrankten) und am Stein leidenden zu empfehlen, aber man muss sie frisch oder mit Wein genießen. Sie sollen den Weinstein an den Zähnen lösen und geben einen guten Essig, Wein und Branntwein.


Gedichte

Die Erdbeere

Bei heißen Sonnenbränden,
Du Beere, duftig, roth,
Mit nimmermüden Händen
Pflückt dich das Kind der Noth.

Es sieht die Fülle prangen
Und unterdrückt dabei
Das eigene Verlangen,
Wie mächtig es auch sei.

Gehäuften Topf und Teller
Trägt es zum Händler dann;
Der geizt noch mit dem Heller –
Er ist ein kluger Mann.

Doch nicht bei seines Gleichen
Vollendet sich der Kreis:
Erst auf dem Tisch des Reichen,
Der zu bezahlen weiß.

So wird zur Menschenhabe
Und dient dem Wucher nur
Selbst deine frei'ste Gabe,
O liebende Natur!

Ferdinand von Saar

Drachenwurz - Calla

Drachenwurz -Calla - Kalla

Als ein Zeichen für Unsterblichkeit wird die Calla häufig in Trauergebinden verwandet. Wegen ihrer weißen Farbe galt bzw. gilt sie teilweise heute häufig noch als Totenblume.

Foto: Eka
In Blumengebinden allerdings, auch gemeinsam mit anderen Blumen zusammen, wirkt sie edel und elegant. Als Geschenk überreicht ist die Drachenwurz Symbol für Schönheit und Anerkennung.

Die Blumensprache sagt: "Ich bewundere dich von fern, doch wag' ich's nicht, dir zu nahen."

Aber auch als Heilpflanze war die Drachenwurz bzw. Calla bekannt. Ob die in nachfolgendem Auszug beschriebene Heilwirkung heute noch von Bedeutung ist, kann ich leider nicht beurteilen.

Die Drachenwurz ist zweierlei, groß und klein.

Die große Drachenwurz hat Blätter, welche auf der Seite einwärts gebogen sind und einen zwei Ellen hohen Stengel, gerad, glatt und ziemlich dick, scheckich und mit schwarzen Makeln besprengt wie eine Schlange, hat eine große, runde Weiße Wurzel mit mit einer dünnen Haut umgeben.

Die kleine Drachenwurz hat auch einen glatten, hohen starken Stengel mit rothen Tüpflein besprengt wie eine Schlange: die Blätter sind je eines an einem Stiel, rund wie Epheu, aber so tief gespalten, daß eine jede Spalte ein besonderes langes Blatt bildet: oben auf dem Stengel erscheint eine Hülse oder Scheide. Wenn diese sich öffnet, kommt ein Kölblein hervor, um welches sich der Samen wie die Beere um eine Traube bildet, zuerst grasgrün, später safrangelb. Es wächst gern bei den Zäunen und an schattigen Orten: man zieht es auch in den Gärten. Drachenwurz ist warm und trocken im zweiten Grad. Das Pulver der Drachenwurz mit Honig vermischt und eingestrichen, heilt und säubert die bösen um sich fressenden Geschwüre: in die Fisteln gebracht, heilt es dieselben. Die grünen Blätter, auf frische Wunden gelegt, heilen solche, aber wenn sie dürr sind, schaden sie wegen ihrer Schärfe.

Ein wollenes Zöpflein in dem Saft dieses Krautes genetzt und in die Nase gethan, heilt die inwendige Geschwulst, polypus genannt, und wehrt dem Krebs. Den Samen dieser Wurzel gestoßen und ein halb Quintlein in weißem Wein eingenommen, bringt die versteckte monatliche Reinigung. Schwangere sollen weder an der Wurzel noch an dem Kraut riechen, denn es ist ihnen höchst schädlich. Das aus den Blättern destillierte Wasser zu 6 Loth in einem Quintlein guten Theriak genommen, treibt den Schweiß gewaltig und leistet auf diese Weise gegen die Pestilenz ausgezeichnete Hilfe, wie solche Dr. Durantes beschreibt, und werde dieses Mittel von den Engländern in Zeiten der Pest viel gebraucht. 

Auszug aus: Populäre Pflanzenkunde und Hausapotheke Christian Birkmeyer aus dem Jahr 1868 (alte Schreibweise wurde beibehalten).

Samstag, 16. Februar 2013

Die Rosen

Die Rosen von Louise Cortambert alias Charlotte de Latour

Foto: pixabay 
Nur wem die Natur die Gabe der Dichtkunst ganz versagte, hat nicht das Lob der Rose gesungen? Die Dichter haben ihre Schönheiten nie zu hoch erhoben, noch ihren ganzen Liebreiz in ihren Gesängen erschöpft. Mit Recht haben sie die Rose eine Tochter des Himmels, den Schmuck der Erde, die Glorie des Frühlings genannt; aber welche Sprache vermag es, alle die Reize dieser schönen Blume, ihre wollustathmende Zartheit, ihre göttliche Anmuth zu schildern? Wie soll man die Fülle ihrer sanften Wölbung, die liebliche Mischung ihrer Farben und die sanften Übergänge darin, den süßen Geruch, den sie aushaucht, beschreiben?


Seht, wie sie sich im Frühling sanft aus ihren zierlichen Blättern erhebt, umringt von zahlreichen Knospen. Die Königin der Blumen kost mit dem sanften Zephyr, der sie umgaukelt. Sie schmückt sich mit dem Thau, der sie bedeckt, sie lächelt der Sonne,  deren Strahlen sich ihr Kelch entschließt. Die Natur hat sich gleichsam erschöpft, um sie mit dieser wunderbaren Frische, diesem Farbenglanz, Wohlgeruch und anmuthigen Zauberreiz zu schmücken. Die Rose verschönert das weite Erdenrund, sie blüht in allen Zonen. An den Tage, wo sich alle ihre Schönheit in der ganzen Fülle ihrer Pracht, entfaltet, welkt sie aber auch schon; doch in jedem wiederkehrenden Lenz erblüht sie neu in frischer Anmuth.

Rosen von Vargemont
Gemälde von Pierre-Auguste Renoir 1882
Die Dichter haben ihr in allen Sprachen, durch Lobgesänge,
Huldigungen dargebracht, und schon ihr Name ist eine Zierde ihrer Werke. Die Rose, ein Bild jedes Alters, ein Dolmetscher aller unsrer Gefühle, fehlt bei keinem Feste, sie theilt unsere Freuden und unsere Leiden. Die liebenswürdige Heiterkeit bekränzt sich mit ihr; die keusche Verschämtheit leiht von ihr das zarte Inkarnat, das die Schönheit noch unwiderstehlicher macht; man reicht sie der Tugend zum Preise: sie ist das Bild der Jugend, der Unschuld und des Frohsinns. Sie ist die Blume der Liebesgöttin, und im Wettstreit mit der Schönheit, besitzt sie, wie jene, diese Anmuth, die noch schöner ist, als Schönheit selbst.

Anakreon, der Sänger der Liebe, hat die Rose besungen, und um sie würdig zu feiern, mögen hier seine beiden Lieder, zu ihrem Lobe, stehen.

gartengruen-24.de

 1

Laßt uns Rosenknospen binden
In den dunkeln Rebenkranz;
Rosen um die Schläfe winden
In dem schonen Blüthenglanz!

Rosen blüh'n auf holden Lippen,
Blilhen in der Wangen Gluth;
Darum laßt uns fröhlich nippen,
Ha! der Wein giebt Uebermuth.

Rosen sind des Frühlings Pflege,
Eine Pracht Im Blumenfeld;
Rosen sind ein Lustgeheg
In der hohen Götterwelt.

Rosen in den Lockenringeln,
Tanzt auf munterm Lustgebot,
Wenn die Grazien ihn umzingeln,
Selbst der kleine Liebesgott.

Auch ich schick" mi«Ich an zum Tanze,
Rühre schon mein Saitenspiel;
Rosen wehen in dem Kranze
Duftend um die Stirne kühl.

Bald, bei süßem Kußgeflüster,
Aus dem Busen voll und warm,
In der Rebenlaube düster
Schweb' ich selig Arm in Arm!

2

Der bekränzte Frühling naht!
Rosen blüh'n auf Thal und Höhen,
Und so manches Rosenblatt
Sehen wir am Hügel stehen;
Drum entfalte dich, mein Lied,
Gleich dem Knöspchen, das erblüht.

Rosen sind ein Götterhauch,
Sind des Sterblichen Entzücken;
Ja, die Grazien sollen auch
Rosen nur zum Sträußchen pflücken,
Wählen Liebende zum Raum
Sich den blüthenreichsten Baum.

Einen schönen Rosenzwelg
Trägt bedeutungsvoll die Liebe;
Wenn die Rose als Vergleich
In den Dichtungen nicht bliebe.
Ach! wie stünd's um euren Ruhm,
Sänger aus dem Alterthum!

Rose, süßes Dichterblatt.
Süß, wer Dich im Dornenflechte.
Lüstern angerühret hat;
Süß, wer mit verletzter Rechte
Aus dem Kelch, wo Wollust blinkt,
Deinen Balsamathem trinkt.

Rosen schimmern allzumal,
Auf dem hohen Gastgepränge,
Und am kleinen Bundesmal;
Wenn dem Weingott Hochgesänge
Der bekränzte Dichter weiht,
Werden Rosen hingestreut!

Überall herrscht Rosengluth:
Rosig ist die Morgenröthe,
Rosig stürmt das junge Blut,
Wenn die ferne Hirtenflöte
Sehnsuchtsvoll hinüberschallt,
Wo die stille Unschuld wallt.

Siechen giebt sie — Lebenskraft
Sterbenden die letzte Freude;
Selbst im Grab dringt Rosensaft
Aus des Todten Sterbekleide. —
Schon verwelkt im Trauerhaus,
Strömet Wohlgeruch heraus.

Lieblich wehet noch Ihr Hauch
Durch die eingeschrumpften Blätter,
Am bemoosten Rosenstrauch;
Unvergänglich wie die Götter,
Ohne eines Alters Spur —
 Ist sie göttlicher Natur.

Als einst an das Uferland
Venus trat, und sich dem Schooße
Blauer Wogen nun entwand,
In dem stürmenden Getose
Träufelnd von des Meeres Thau,
An dem schönsten Gliederbau; —

Als Athene hoch und hehr,
Jüngst geboren, war schauen
Im Olymp, mit Schwert und Speer
Ganz gewappnet und voll Grauen;
Ja, in jener seelgen Zeit
Voller Kraft und Fruchtbarkeit;

Da erwuchs das Rosenreis,
und dem Knöspchen sprang die Hülle,
Mutter Erd' ! auf dein Geheiß,
Und mit schöngewundner Fülle,
Blätterte das Blümchen sich
Langsam auf und minniglich.

Und der seel'gen Götter Schaar
Sprengte Nektar auf die Blüthe,
Bis sie sanft geröthet war.
Dornen sind an dieser Blüthe
Irdisch nur, den Himmelshauch
Gaben Götter diesem Strauch.

M. F. Anakreon, mit Erläuterungen aus Friedrich Chrtstoph Broße.
Berlin 1806, bei Heinrich Fröhlich.
Anm.: Anakreon lebte um 550 vor Chistus.
          Die ursprüngliche Schreibweise wurde beibehalten

Mehr über die Blumensprache der Rose finden sie im Wörterbuch der Blumensprache von Charlotte de Latour und in einer Liste der Blumensprache von J.M. Braun.


Rose (gelbe) ----- Wenn du noch keinen Anbeter hast, so sey nicht neidisch auf die glücklicheren.
Rose (rothe), Centifolie ----- Ich kenne nichts herrlicheres, als deinen Besitz. Entscheide über mein Glück.
Rose (weiße) ----- Bald werde ich das Opfer meiner hoffnungslosen Liebe werden.
Rose (Monats-) ------ Soll meine Sehnsucht mich verzehren?
Rose (entblätterte) ------ Du hast mich unglücklich gemacht.
Rose (einfache, eglanteria) ------  Deine Liebe hat keine edlen Triebfedern.
Rosenblatt (rothes). ----- Ja.
Rosen blatt (weißes) ----- Nein.
Rosenknospe (rothe) ----- Bisher war Liebe meinem Herzen fremd, erst jetzt ahne ich ihr Glück.
Rosenknospe (weiße) ----- Noch bist du rein, wache über deine Neigungen.

Zum Schluss noch ein uraltes Rezept 

(Alte Schreib- und Ausdrucksweise wurde teilweise übernommen)

Rosen - Essig. 

Zwei starke Hände voll wohl verlesene Blätter von den gewöhnlichen roten Rosen, einige Pfefferkörner und ganze Gewürznelken, etliche Stängel Zimt und etwas ganze Muskatblüte gibt man zusammen in ein Glas, gießt eine Maaß guten Weinessig darüber, setzt es an die Sonne und lässt es endlich stehen. Auf diese Weise wird der Essig recht. Wenn das Gewürz nicht anständig ist. kann man ihn auch ohne Gewürz machen.


Freitag, 15. Februar 2013

Mistel

Mistel Blüte - Bild Leo Michels
Die Mistel steht als Symbol für Wintersonnenwende, Vegetationssegen, Fruchtbarkeit und Wachstum, Glücksbringer, Unterweltsöffner.

Sie gehört zu den Loranthaceaen.

Andere Namen: Marentaken, Mardistel, Alpranke, Hexenbesen, Affolter, Gespensterrute, Trudenfuß, Wintergrün.

Die Blütezeit ist von Februar bis Mai.

Als  Heilwirkungen werden ihr zugeschrieben: wundheilend, schmerzlindernd, krampflösend, immunisierend, blutdrucksenkend, beruhigend, blutdruckregulierend.


Mistel Frucht - Bild Leo Michels
In der Symbolik bedeutet die Mistel Schlüssel zum Unbewussten und zur Welt der Ahnen, das Gesetz von Tod und Wiederaufstehung, Glück, Freiheitsdrang. Die Blumensprache sagt: "Ich überwinde alle Hindernisse."

Die Mistel - von Charlotte de Latour

Die Mistel

Ich übersteige alle Hindernisse. Die Mistel ist ein kleines Gewächs, das auf dem Wipfel der höchsten Bäume wächst; die stolze Eiche wird ihr dienstbar und nährt sie mir seinen Säften. Die Druiden hegten eine große Ehrfurcht für eine so schwache Pflanze, weil sie der stärksten überlegen war. Der Tyrann der Eiche schien ihnen eben so furchtbar für Götter und Menschen. Sie hatten davon nachstehende Sage:

Einst sagte Balder zu seiner Mutter Freia, daß er geträumt habe, er würde sterben. Freia beschwor das Feuer, die Erze, die Seuchen, das Wasser, die Thiere, ihrem Kinde kein Leid zuzufügen, und die Beschwörungen waren auch so wirksam, daß sich ihnen keiner entgegen zu setzen wagte.

Balder ging also keck in den Kampf wider die Götter, mitten unter ihren Pfeilen, ohne sich zu fürchten. Loke, sein Feind, forschte nach dem Grunde; er verkleidete sich in ein altes Weib und ging zur Freia. „in allen Schlachten," sagte er zu ihr: „fallen Pfeile und selbst Felsstücke auf Deinen Sohn Balder, ohne daß sie ihn verletzen; woher kommt das?"

Ich glaub' es wohl, antwortete Freia: alle diese Dinge hab' ich besprochen. Nichts in der ganzen Natur kann ihm schädlich werden. Nur ein kleines Gewächs hab' ich davon ausgenommen, weil es mir zu unbedeutend schien. Es wächst auf der Rinde der Eiche, fast ohne Wurzel und ohne Erde: es heißt Mistel. Loke entfernte sich darauf und suchte dieses kleine Gewächs.

Jetzt eilte er in die Versammlung der Götter, während sie wider den unverwundbaren Balder kämpften. Schon ihre Blicke sind Pfeile. Er näherte sich dem blinden Heder. Warum kämpfest Du nicht wider Balder? fragte er. Ich bin blind, antwortete dieser: und es fehlt mir an Waffen. Loke gab ihm eine Mistel und sagte: Balder steht vor Dir! Der blinde Heder warf sie nach dem Feinde, er sank todt nieder. So wurde der unverwundbare Sohn einer Göttin durch die von einem Blinden auf ihn geschleuderte Mistel getödtet.

Daher schreibt sich die Ehrfurcht, welche die alten Gallier für dieses Gewächs hegten. (Alte Schreibweise wurde beibehalten.)

Der Blumenknabe - Gedicht Ernst Moritz Arndt

Foto: pixabay

Der Blumenknabe 

Ich ging hinaus im grünen Mai,
Ein Kränzlein wollt ich mir pflücken,
Und Blümlein bunt und mancherlei,
Sie lockten und winkten Entzücken
Und wie ich die süßen besah und besann,
Da fingen die Köpfchen zu rühren sich an
Und red'ten mit freundlichem Nicken.

Zuerst die Rose neigt ihr Haupt,
Hub an also mir zu sprechen:
Halt! rascher Knabe! ist's erlaubt,
So sorglos die Schöne zu brechen?
Vernimm erst geduldig der Wörtchen zwei, drei,
Sonst möchte im Herzen die bittere Reu'
Mit Thränen die Sterbende rächen.

Ich heiße Blumenkönigin,
Die Erstlingstochter der Liebe,
Trag stolzen Muth und hohen Sinn,
Vereint mit zärtlichem Triebe.
Und hegst du Hoheit und Treu' in der Brust,
So pflücke den Liebling der Sonne mit Lust,
So pflücke die Blume der Liebe.

Die Lilie sprach: Der Unschuld Preis
Schmückt baß denn Perlen und Seiden,
Bist innen du und außen weiß,
Wie Kindlein fromm und bescheiden;
So pflücke nur immer in Freuden mich ab,
So werde dein Busen das züchtige Grab
Der weißesten Blumen der Haiden.

Das holde Veilchen auch herfür
Das Köpfchen regte zur Sonne,
Stand da in stiller Demuth Zier
Und hauchte himmlische Wonne.
Doch was es geflüstert, vergessen ist's mir,
Die Augen mir flossen, wie Brünnelein schier
Entfließen der berstenden Tonne.

Mit ihr kam auch das Schwesterherz
Das Sinnbild heiliger Frommen,
Die Nachtviole grau, und Schmerz
Die Brust mir machte beklommen.
Was da mir geschehen, verstehe ich nicht.
Mir däuchte, ich sehe ein Engelgesicht
Mit liebenden Augen mir kommen.

Es sprach: Du siehest dein Lebensbild
In süßen, lieblichen Farben;
Denn was dem Frühling schön entquillt,
Das mähet der Sommer zu Garben.
Stets gehet und kehret der sonnige Strahl,
Doch Menschen vergehen wie Blumen im Thal
Und wie ihre lenzigen Farben.

Schau, Liebestreu und Liebeshuld,
Wie fliegt sie hin mit der Rose!
Das Kind der Demuth und Geduld
Was ziehet das Veilchen für Loose?
Die Lilie, die weiße Narcisse zugleich,
Sie liegen verwelket noch bleicher als bleich:
So schwindet das Schöne und Große.

Und weinend mußt' ich abwärts gehn,
Durft' keine Blume mir brechen;
Doch standen alle fromm und schön
Und schienen so freundlich zu sprechen.
Wann wird es im Herzen mir wieder gesund,
Wann wird mir der Maimond mit schmeichelndem Mund
Treulieb' und Blumen versprechen?

E. M. Arndt.

Der Text stammt aus dem Buch: "Taschenbuch der Blumensprache: Oder, deutscher Selam. Mit einer Anthologie aus den besten Dichtern zur Charakterisirung der Pflanzen Deutschlands" von J. M. Braun aus dem Jahr 1843

Ernst Moritz Arndt, geb. 26. Dezember 1769 in Groß Schoritz auf Rügen, damals Schwedisch-Pommern; gest. 29. Januar 1860 in Bonn, deutscher Schriftsteller und Abgeordneter der Frankfurter Nationanlversammlung.

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