Freitag, 10. Oktober 2008

Veilchen

Der wunderbare Duft von Veilchen fasziniert seit jeher. Sie blühen im Verborgenen und gelten als bescheiden. Das Veilchen ist Symbol für Jungfräulichkeit, Demut, Bescheidenheit, Anstand, Paradies, Frühling und Hoffnung, Treue und Liebe.

Die Veilchen sind von zwiespältiger Bedeutung. Die Demut und die Bescheidenheit sind sprichwörtlich für das Veilchen, das im Verborgenen blüht. Dennoch erklärten viele machthungrige Menschen das Veilchen zu ihrer Lieblingsblume.

Eine weitere Bedeutung des Veilchens ist die Geduld. Die violette Farbe und der herrliche Duft machen einen Veilchenstrauß in jeder Wohnung zum Hingucker.

Gedichte über das Veilchen

Das Veilchen und der Schmetterling

Ein Veilchen auf der Wiese stand
an Baches Rand und sandte ungesehen,
bei sanftem Frühlingswehen
süßen Duft durch die Luft.

Da kommt auf schwankendem Flügel
ein Schmetterling über den Hügel
und senket zur kurzen Rast
zum Veilchen sich nieder als Gast.

Schmetterling:
Ei! Veilchen! Wie du töricht bist,
zu blühen, wo niemand dein genießt!

Veilchen
Nicht ungenossen blüh ich hier,
ein Schäfer kommt gar oft zu mir
und atmet meinen Duft und spricht:
"Ein solches Blümchen fand ich nicht,
wei Veilchen du! Auf Wiesen, Auen
ist keines mehr wie du zu schauen!

Schmetterling
`s ist schöner doch, glaub meinem Wort,
zu blühn auf freier Wiese dort,
in jener bunten Blumenwelt,
als hier im dunklen Schattenzelt!

Veilchen
Hier bin ich meines Schäfers Wonne,
dort aber bleichet mich die Sonne,
und ohne Farbe, ohne Duft,
find ich zu früh dort meine Gruft,
drum blüh ich in der Einsamkeit,
wenn auch nur Einer mein sich freut.

Nikolaus Lenau (1802-1850)


Ausschnitt aus: Das Blümlein Wunderschön:
Das Lied des gefangenen Grafen ( vertont von Hugo Wolf)

Das Veilchen:
Ich steh verborgen und gebückt
Und mag nicht gerne sprechen,
Doch will ich, weil sichs eben schickt,
Mein tiefes Schweigen brechen.
Wenn ich es bin, du guter Mann,
Wie schmerzt michs, daß ich hinauf nicht kann
Dir alle Gerüche senden.

Der Graf:
Das gute Veilchen schätz ich sehr:
Es ist so gar bescheiden
Und duftet so schön; doch brauch ich mehr
In meinen herben Leiden.
Ich will es euch nur eingestehn;
Auf diesen dürren Felsenhöhn
Ists Liebchen nicht zu finden.

Johann Wolfgang von Goethe (1766-1832)


Das Veilchen

Ein Veilchen auf der Wiese stand
Gebückt in sich und unbekannt;
Es war ein herzig's Veilchen.
Da kam eine junge Schäferin,
Mit leichtem Schritt und munterm Sinn,
Daher, daher,
Die Wiese her, und sang.

"Ach!" denkt das Veilchen, "wär' ich nur
Die schönste Blume der Natur,
Ach, nur ein kleines Weilchen,
Bis mich das Liebchen abgepflückt
Und an dem Busen matt gedrückt!
Ach nur, ach nur
Ein Viertelstündchen lang!"

Ach! aber ach! das Mädchen kam
Und nicht in acht das Veilchen nahm,
Ertrat das arme Veilchen.
Es sank und starb und freut' sich noch:
"Und sterb' ich denn, so sterb' ich doch
Durch sie, durch sie,
Zu ihren Füßen doch."

Johann Wolfgang von Goethe (1766-1832)



Ein Spruch, der häufig in Poesiealben geschrieben wurde:

Blüh' wie das Veilchen im Moose,
bescheiden, sittsam und rein.
Nicht wie die stolze Rose,
die immer bewundert will sein.

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