Donnerstag, 9. Mai 2013

Kreuzblümchen

Foto: Leo Michels
Die Gewöhnliche Kreuzblume ist eine Pflanzenart aus der Familie der Kreuzblumengewächse. Sie wird auch Natterblume genannt.

Sie kommt in Kiefernwäldern, auf Wiesen, in Küstendünen, in Zwergstrauchheiden vor. Oft sieht man sie auch an Wegrändern. In Deutschland kommt die Kreuzblume in den südlichen Bundesländern zerstreut vor, in den nördlichen Bundesländern selten. In einigen Bundesländern steht sie auf der Roten Liste.

Die Blumensprache sagt: Wie befindest du dich?

Kreuz , du bist mein bester Theil 
Denn in dir allein ist Heil!

Eine schmucklose, einfache Blüthe ist das Kreuzblümchen, wie das Kreuz, dessen Sinnbild es ist. Wie Viele gehen unbekümmert und gleichgültig am Kreuze wie an jenem Blümchen vorüber und ahnen nicht, welch' kostbaren Schatz das Kreuz in sich birgt! Die rothe Farbe des Blümchens erinnert an den, welcher am Kreuze hängt, vom Blute seiner Wunden geröthet. —
Als man in der Eile keinen Scepter fand, um Kaiser Rudolph von Habsburg zu krönen, nahm er das Kruzifix vom Altare und sprach: Das soll mein Scepter sein! —
Ist das auch deine Sprache? — Einer frommen Seele wurde viel von dem Schauerlichen und Furchtbaren ihres künftigen Aufenthaltes vorgesagt; da fragte sie einfach: Ist ein Kruzifix dort zu finden? — Ja ! — Nun dann, erwiederte sie, will ich Alles gerne ertragen.

Es glänzt ein Blümchen auf der Au
Im jungen Frühlingsprangen,
Wenn noch die Aecker kahl und grau
Vom Stoppelflor umhangen.
Ein melancholisch Rosenroth
Ist drüber hingegossen;
Aus magern Blättlein, starr und todt,
Ist es hervorgesprossen.
Kreuzblümchen heißt das zarte Kind
Im rothen Feierkleide
Des Thaues Silbertröpflein sind
Sein einziges Geschmeide.
Doch ist es mir um Geld nicht feil,
Da es so lieblich flammet;
Es mahnt mich an das eine Heil,
Das von dem Kreuze stammet.

(Ludwig Gemminger)

Samstag, 20. April 2013

Kastanienbaum

Kastanienbaum
Foto: Leo Michels

Kastanie reife Früchte
Foto: Leo Michels
Die Kastanie gehört zur Familie der Buchengewächse. Die Blütezeit ist von Mai bis Juli. Der Baum kann bis zu tausend Jahre alt werden.

Ende des 16. Jahrhunderts kam die Kastanie nach Mitteleuropa und wurde wegen ihrer schönen Blüten als Straßen- und Parkbaum angepflanzt. Heute ist der Kastanienbaum in ganz Europa verbreitet.

Als Heilwirkungen werden der Kastanie zugeschrieben: blutfördernd, Mineralsalze zuführend, stärkend, hustenstillend, wundheilend und blutstillend

Die Blumensprache sagt:
Blüte - Kannst du mir verzeihen?


Der Kastanienbaum.
Luxus.

Der Kastanienbaum, aus fremdem Boden verpflanzt, hat sich doch noch nicht über die vaterländischen Eichen und Fichten emporheben können. Indessen benutzt man ihn, die Wege zu beschatten, Kunstwälder zu schmücken und Land, Häuser und Schlösser zu umgeben.
Sich brüstend, weit die Aeste aus er streckt,
Sein breites Laub die Wolken uns verdeckt.

Bei'm Anfang des Frühlings bedarf es nur eines warmen Tages, wo die Luft vom Winde bewegt wird, so ist dieser Baum urplötzlich mit grünem Laube überdeckt. Steht er einzeln, so gewährt sein pyramidenartiger Wuchs einen erfreulichen Anblick, vorzüglich durch das schöne Grün seiner Blätter und den Reichthum seiner buschartigen Blüthen, die ihm zuweilen das Ansehn eines großen Kronleuchters geben, der mit schimmernden Kerzen rund umher geschmückt ist.

Er scheint gleichsam der Pracht und dem Ueberfluß zu huldigen; er bestreut daher den Rasen, der ihn umgiebt, mit seinen Silberblüthen; der Wollust verleiht er seinen anmuthigen Schatten; aber der Armuth giebt er nur ein sehr unbrauchbares Holz und eine bittere Frucht; es ist ein kärgliches Almosen, das er durch seine dürren Blätter spendet, wenn man sie zur Feuerung benutzt. Der echte Kastanienbaum hat nicht auf dem Boden eines kältern Klimas gedeihen wollen, und seine süßen Früchte sind daher ein Artikel des Luxus und kitzeln nur den Gaumen begüterter Leckermäuler.

Der Kastanienbaum gleicht dem Reichen er verbreitet zwar seine Aeste weit umher und beschattet damit einen großen Umfang, doch, umgeben von Schmeichlern, schafft er wenig Vortheil und setzt nur den großen Haufen durch seine nutzlose Blüthenpracht in Erstaunen. Er ist ein Sinnbild des werthlosen Luxus.

Die Blüthe, die das Auge nur entzückt,
Verschwindet bald mit ihrem flücht'gen Glanze;
Die Frucht allein, die nähret und erquickt,
Bestimmt den wahren Werth von jeder Pflanze.

(Charlotte de Latour)

Gedichte

Schwarzschattende Kastanie

Schwarzschattende Kastanie
Mein windgeregtes Sommerzelt,
Du senkst zur Flut dein weit Geäst
Dein Laub es durstet und es trinkt,
Schwarzschattende Kastanie!
Im Porte badet junge Brut
Mit Hader oder Lustgeschrei
Und Kinder schwimmen leuchtend weiss
Im Gitter deines Blätterwerks,
Schwarzschattende Kastanie!
Und dämmern See und Ufer ein
Und rauscht vorbei das Abendboot,
So zuckt aus roter Schiffslatern
Ein Blitz und wandert auf dem Schwung
Der Flut, gebrochnen Lettern gleich,
Bis unter deinem Laub erlischt
Die rätselhafte Flammenschrift,
Schwarzschattende Kastanie!

Conrad Ferdinand Meyer

Hollunder - Holunder

Schwarzer Holunder - Blüte
Foto: Leo Michels

Holunder gehört zur Familie der Geißblattgewächse. Andere Namen sind Holler, Holder. Frühere Schreibweise ist Hollunder, heute Holunder.

Holunder blüht von Mai bis Juli.

Als Heilwirkung ist bekannt: magen- und darmreinigend, schweißtreibend (Blüten), Fiebersenkend, harntreibend und blutreinigend.

Die Blumensprache sagt:
Zweifle nicht länger an meiner Liebe.
Bist du krank? Ich habe ein Mittel für dich.




Hollunder.
Liebe deine Eltern

Wer seine Eltern nicht innig liebt.
Schwarzer Holunder - Früchte
Foto: Leo Michels
Für den es keinen Himmel gibt.
Viele Blümchen wachsen an dem Stengel des Hollers und umgeben freundlich und duftend den Stamm, wie Kinder ihre Eltern; darum kann man denselben zum Sinnbild der kindlichen Liebe nehmen. Wie es einen weißen und violetten Holler gibt, so gibt es auch unschuldige Kinder, welche ihren Eltern Freude machen und böse Kinder, die ihnen ein violettes Kleid anziehen, d. h. Trauer und Schmerz bereiten. Zu welchen willst du gehören? Zu den Guten, dann bete für sie, dann sei ihnen gehorsam, dann unterstütze sie, wenn sie alt oder arm sind, um den Segen des Himmels zu erlangen, der in den Worten liegt: „Ehre Vater und Mutter, auf daß du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden."

O liebe die Eltern
Und kränke sie nicht,
Es ist dieß die schönste,
Die dankbarste Pflicht!
Dann immer die Freude
Nur Kränze dir flicht.
Dann nimmer der Becher
Der Wonne zerbricht;
Dann siehst du auf Erden
Den Tod lange nicht,
Gott wendet von dir nie
Sein mild' Angesicht;
Der himmlische Segen
Von dir weicht er nicht,
Einst wirst du erfahren,
Ein gnädig Gericht;
Drum liebe die Eltern,
Und kränke sie nicht!

(Quelle: Die Blumensprache in christlicher Deutung)

Freitag, 19. April 2013

Cyanen (Kornblumen) Gedicht

Cyanen. 

Ihr lieben blauen Kronen,
Nun seyd ihr welk und matt,
Wohl wie des Mädchens Hoffen.
Das euch gewunden hat.

Senkt die geknickten Häupter,
So senkte sie den Blick,
So das Cyanen-Auge.
Im letzten Mißgeschick,

Da fielen meine Träume
Wie welke Blüthen ab,
Ich lege euch mit ihnen.
Als Opfer auf ihr Grab.

Mahnt mich der klare Himmel
An ihrer Augen Glanz,
So denke ich auch sehnend
An den Cyanen- Kranz.

Rudolf Gustav Puff

Donnerstag, 18. April 2013

Veilchen Gedicht

Veilchen. 

Veilchen, wie so schweigend,
Wie so still dich neigend
In das grüne Moos!
Veilchen, sag was sinnst du,
Sag mir, was beginnst du,
Scheinst so freudenlos?

„Laß mich! still und bange
Lausch' ich dem Gesange
Jener Nachtigall.
Wenn, sie singt, so schweig' ich!
Wenn sie singt, so neig' ich
Ihrem Sang und Schall."

Hoffmann von Fallersleben


Veilchen. 

Veilchen, unter Gras versteckt,
Wie mit Hoffnung zugedeckt,
Veilchen, freue dich mit mir!
Sonne kommt ja auch zu dir.

Sonne scheint mit Liebesschein
Tief dir in dein Herz hinein,
Trocknet deine Thranen dir —
Veilchen, freue dich mit mir!

Hoffmann von Fallersleben

Sonntag, 14. April 2013

Veilchen Gedichte

Die Veilchen

Kommt hinaus, laßt uns gehn,
Die Veilchen zu sehn!
Brauchst nicht erst zu schmücken
Dein nußbraunes Haar;
Winde Kränze darein,
Die der Frühling gebar!

Sieh dort in dem Schoos
Des Thals aus dem Moos,
Da blicken die Veilchen
So lieblich heraus —
Komm, pflück' dir geschwind
Die schönsten zum Strauß!

Pflück' immer sie ab;
Sinkt doch Alles zu Grab!
Und ist es nicht besser
Am Herzen vergehn,
Als verwelkend allein
Am Grabe zu stehn?

(Zarnack's Volkslieder.)

Veilchen. 

So lieb, so klein,
So schön, so rein,
Lieb Veilchen auf der Haide!
Lieb Veilchen, du die kleinste Zier
Der Mutter Erde, du bist mir.
Bist mir die größte Freude.

(Gleim)

Sonntag, 7. April 2013

Der Veilchen- und Vergißmeinnicht-Strauß

Der Veilchen- und Vergißmeinnicht-Strauß


Der Frühling war wieder in das See-Thal hernieder gestiegen wo Grifeldis den Sitz ihrer Ruhe aufgeschlagen hatte. Alles blühte, keimte und duftete wieder; Alles erwachte wieder aus dem Winter-Schlummer und zeigte neues Leben, und bot seinen Frühlingsgruß.

Vom neuen Reize der Natur gelockt, hatte denn auch ein junger Fischer seine Hütte verlassen und war im leichten Kahne, bewegt vom taktmäßigen Ruderschlage, nach einer fern entlegenen, aber stillen Bucht gefahren, und hatte sich daselbst auf einem Uferplatze gelagert, wo das zarte und seidene Rasengrün üppig empor wuchs und tausend süß duftende Blümchen dasselbe schmückten. Erfreut durch den überraschten Anblick derselben, beschloß er nun, Sträuße aus denselben zu binden, um sie bei seiner Rückkehr den Fischerkindern zu geben,

Nicht weit von der Uferselle, wo er von des Ruderns Müh' ausruhte, und über den Zauberspiegel des Sees erfreut hinsah,- floß aber auch eine kleine, sanft murmelnde Quelle, an deren von erquickendem Naß sanft berührten Borde die lieblichsten Veilchen und Vergißmeinnicht im zarten Frühlingsgrün prangten und von duftigem Gebüsche beschattet waren. -

Warte, sprach er zu sich, da muß ich mir einen wohlriechenden Strauß für meine vielgeliebte Schwester binden, die mir immer so emsig und willig die von den Fischen zerrissenen Netze flickt und auch neue immer strickt, während ich auf der Höhe des Wassers dem Fischfang nachgehe.

Ich weiß es: se liebt die Blumen über Alles und am meisten die Veilchen und Vergißmeinnicht. Sprachs: und pflückte mit stiller Freude die neugebornen Blümchen und einte sie zu einem wundersamen schönen Strauße.

Entzückt über den reichen Schatz den er daselbst gefunden in der trauten Dunkelheit des Schattengebüsches und am freundlichen Ufer des klaren Sees, kehrte er nun von seiner Fahrt zurück und vertheilte die Blumen unter die Kinder der übrigen Fischer, die ihn schon am Ufer erwarteten; denn se hatten ihn sehr gerne und nannten ihn den lieben Peter. Aber wie er eben im Begriffe ist, dem Einen diesen, dem Andern einen andern Blumestrauß zu geben, und auch schon den letzten vertheilt, siehe, da tritt aus einem Schattengebüsch unvermuthet seine einzige vielgeliebte Schwester hervor. Das ist schön, rief sie in holdseliger Rede, daß du den Kindern so hübsche Sträuße gibst. Was bringst du aber wohl der Schwester?

Da wies der junge Fischer lächelnd auf zartes Ufergras in seinem Kahne, unter welches er den Veilchen- und Vergißmeinnichtstrauß verborgen hatte, Dieses Grün? sprach die junge Fischerin, bin ich denn nicht auch eines Straußes werth?

Doch ehe noch dieselbe weiter gesprochem hob Peter, der junge Fischer, den Veilchen - und Vergißmeinnichtstrauß aus dem frischen und freundlichen Grün hervor und reichte ihn der viel geliebten und fleißigen Schwester. In demselben Augenblicke ertönte wieder das Glöcklein der See-Capelle in der Fülle seiner Silberklänge nicht anders als wollte es seinen Beifall in vernehmbarer Stimme über die gegenseitige Geschwister-Liebe bezeigen, und tönte fort und fort bis Beide wieder in ihre Hütte, in den stillen Raum ihrer Wohnung getreten waren.

(Franz Tauber)

Gerbera

Die Gerbera gehört zur Familie der Korbblütler. Teilweise wird sie auch Sternblume (in Verbindung mit der Aster) genannt.

Schon vor 1737 ist die Gerbera als Afrikanische Aster bekannt. Der Holländer Jan Frederik Gronovius berichtet in diesem Jahr erstmalig über die Gerbera.  Der Name "Gerbera" Wurde nach dem Mediziner und Botaniker Traugott Gerber ausgewählt.

Die Blumensprache sagt:
"Durch dich wird alles schöner."

Ginster

Ginster - Foto: Leo Michels
Die Ginster (Genista) sind eine Pflanzengattung, die zu den Schmetterlingsblütlern (Faboideae) gehört. Doch werden auch Vertreter anderer Gattungen als Ginster bezeichnet, so ist etwa Besenginster eine Art der Gattung Geißklee. (Wikipedia)

In der Pflanzencharakteristik bedeutet Ginster Sauberkeit, Reinlichkeit.

Die Blumensprache sagt:
"Du scheinst sehr schreckhaft"
Charlotte de Latour weist den Schoten des Ginster "Demut" zu.


Gladiole

Die Gladiole gehört zur Familie der Schwertliliengewächse. Ihre Blütezeit ist von März bis Juni.

Andere Namen: Schwertel, Säbelblume, Messerblume, Siegwurz.

Die Blumensprache sagt:
"Ich möchte mich mit dir verabreden."
"Sei nicht so stolz."
oder
"Ich bedaure dein Unglück."

GLADIOLUS. Tournef. Siegwurz.
Blumenscheide einblüthig, zweiklappig, ungleich, lanzettlich, kielig, bleibend. Blüthenhülle fast zweilippig, hinten krummröhrig, sich allmählich trichterich erweiternd in einen sechstheiligen unregelmäßigen und ungleichen Saum. Staubfäden der Röhre eingefügt, fädig, aufwärts gebogen, kürzer als die Korolle. Staubbeutel länglich, pfeilig, parallel, schwebend. Fruchtknoten unten, dreikantig; Griffel fädig, von der Länge der Staubgefäße. Narben drei, etwas flaumhaarig, glatt, geflügelt.

Gladiolus communis Linn. Gemeine Siegwurz.
Mit schwerdtigen, nervigen Blättern und einseitswendigen , übergebogenen , fast rachigen Blüthen, an denen die untern Zipfel länglich -spatelig, fast gleichlang, und die obern seitenständigen gegeneinander geneigt sind.
(Deutschlands Flora, 1823)

Freitag, 5. April 2013

Hortensie

Die Hortensie gehört zur Familie der Hortensiengewächsen.

Die Blütezeit ist von Mai bis August.

Heilwirkungen sind keine bekannt.



Ursprünglich hat die Hortensie rosarote Blüten. Gartenzüchtungen können weiß, rot, blau und gelb blühen. Die Farbe ist abhängig vom Säuregehalt des Bodens. Die Hortensie war im 18. und 19. Jahrhundert Modeblume in Europa. Eine im Topf (evtl. als Geschenk) in den Garten ausgepflanzte Hortensie entwickelt sich in kurzer Zeit prächtig.

Die Blumensprache sagt:
Wie konntest du mich so ganz vergessen?

Donnerstag, 4. April 2013

Augentrost

Gemeiner Augentrost
Foto: Leo Michels
Augentrost (Euphrasia) ist eine Pflanzengattung in der Familie der Sommerwurzgewächse (Orobanchaceae). Der botanische Name kommt vom griechisch ευφρασία, euphrasía – Freude, Frohsinn. (Wikipedia)

In der Hauptsache findet Augentrost in der Alternativmedizin äußerliche Anwendung bei Entzündungen der Augen oder bei Augenschwäche, was vermutlich auf die Ähnlichkeit der Blattzeichnung mit einem Auge zurückgeht (Signaturenlehre). Aber auch innerlich wird er als Tee verwendet, und zwar als angeblich lösendes und linderndes Mittel bei Husten und Halsschmerzen. Größere Studien zur Wirksamkeit fehlen. (Wikipedia)

Der Augentrost (Euphrasia officinalis). Niedliches Blümchen, du weidest das Aug', wenn es dich in  des Sommers Gluth, in dem Wiesengrün und in den Wäldern erblickt. (J. M. Braun)

Die Blumensprache sagt:
Ich wünsche dich zu sehen.

Der Augentrost (Euphrasia) bat einen walzigen, vierspaltigen Kelch; die Blumenkrone ist zweilippig , die Oberlippe ausgerandet, die Unterlippe in drei gleiche Lappen getheilt; die Staubbeutel sind zweilappig und jeder Lappen endigt in eine kleine, grannenartige Spitze, woran man diese Gattung am leichtesten erkennt. Es sind einjahrige, aufrechte, kleine Kräuter.

1.) Der gemeine Augentrost (E. officinalis) blüht im Spätsommer und Herbst auf trocknen Waiden und Bergwiesen; ein niedliches Pflänzchen, nur einige Zoll bis eine Spanne hoch, bald einfach, bald sehr ästig, mit breit eiförmigen, spitzig gesägten Blättern und weißen oder bläulichen Blumen, welche auf der Unterlippe einwärts einen gelben Fleck haben (die Lappen der Unterlippe sind zweispaltig); die Staubbeutel sind an dem untern Ende bärtig. Sonst wurden diese kleinen Kräutlein als Augenmittel gebraucht; unsre Landleute nennen sie in einigen Gegenden Milchschelmen, weil sie sehr spät blühen, wo die Kühe wenig Futter mehr finden.

2.) Der rothe Angentrost (E. odontites) hat blaßrothe Blumen und schmale, lanzettartige Blätter, wird höher, wächst gerne unter dem Getreide, aber auch auf Wiesen und Wegen, blüht gemeiniglich früher, wurde sonst gegen das Zabnweh gebraucht.

3.) Der gelbe Augentrost (E. lutea) hat kleine gelbe Blumen, sehr schmale Blätter, wächst auf trocknen Hügeln und Bergen, wird eine Spanne bis 1 Fuß hoch, blüht im Juli und August; die goldgelben Staubgefässe sind länger als die Blumenkrone.

(Quelle: Populäre Botanik: oder, Fassliche Anleitung zur Kenntniss der Gewächse, Bd. 1 Christian Ferdinand Hochstetter, 1831)


Gedichte

Deutscher Blumengarten. 

Blumengarten
Einen schönen will ich hegen;
Mancher Arten Blumen, die ich gern mag pflegen,
Will ich an im Garten legen. Ihrer warten
Schön im Blumengarten.

Augentrost 
Ist ein Kraut, das soll da stehen.
Wer getrost
Es mit Augen an darf sehn,
Dem muß Lust zum Herzen gehn.
Schad', o Frost,
Nie meinem Augentrost!

Wohlgemuth 
Ist eine Würz, die auch da sei.
Wer darauf ruht,
Und sie zieht ans Herz herbei,
Der ist aller Sorgen frei.
Sommergluth !
Verschone mein Wohlgemuth !

Ehrenpreis.
Ist eine Pflanze, die trägt Ehr
An jedem Reis;
Die soll mir wachsen immermehr.
Nichts ihr bringe Fahr und Seht!
Lüfte leis,
Wieget mein Ehrenpreis!

Wunder hold 
Ist eine Blume die gern man schaut;
Jede Dolo',
Ist von Lieblichkeit bethaut.
Wohl mir, da? ich sie gebaut !
Nicht um Gold
Gib' ich mein Wunderhold.

Immerlieb,
Nimmerleid, ist ein Gesproß,
Wo das beklieb,
Treibt es immer frischen Schoß.
Meiner Freuden Hauptgenoß;
Nie kein Dieb
Stehle mein Jmmerlieb!

Dieser Arten 
Blumen sinds, die ich will hegen
In dem Garten,
Und sie je mit Liebe pflegen.
Komm o Sonne, Thau und Regen,
Helft mir warten
Meinen Blumengarten

(Rückert)

Mittwoch, 3. April 2013

Pfingstrose

Pfingstrose - Foto: Leo Michels
Die Pfingstrose gehört zur Familie der Pfingstrosengewächse. Sie wird auch Putenje oder Bauernrose genannt.

Die Blütezeit ist von April bis Juni. Die Symbolik sagt: Schönheit, Tugendhaftigkeit, Fruchtbarkeit, Fülle, Überfluss.

In China wird die Pfingstrose schon seit über 3000 Jahren gezüchtet. Es gibt daher zahlreiche Arten, einfache, halb gefüllte, gefüllte und viele Zwischenformen. Der herrliche Duft der Pfingstrose begeistert immer wieder. Allerdings sind ihre Blüten nicht besonders haltbar, wenn man sie als Schnittblume verwendet.

Die Blumensprache sagt:

  • Was dich erschüttert, regt sich in uns beiden, 
  • Was du nicht sagst, es ist mir doch bewußt!


In einem Buch mit dem Titel "Darstellung und Beschreibung der Arzneygewächse welche in die neue Preussische Pharmacopöe aufgenommen sind nach natürlichen familien geordnet und erlautert: Bd. 3" von Friedrich Gottlob Hayne aus dem Jahr 1834 werden die Heilwirkungen der Pfingstrose wie folgt beschrieben:

Offizinell sind von der Pfingstrose die Wurzeln, Blumenblätter und Samen (Radix, Flores et Semina Paeoniae). Früher wurde auch die aus der Wurzel gewonnene Foecula Paconiae angewendet. Die frische Wurzel hat einen eigenthümlichen widerlichen Geruch und schmeckt anfangs widerlich- süßlich, später aber bitter und etwas scharf. In der Rinde treten der Geruch und Geschmack besonders vor, weshalb es keineswegs zweckmäßig ist, die geschälten Wurzeln für den Arzneigebrauch aufzubewahren, sondern sie sind ganz und ungeschält zu sammeln. Dann aber zeigen sie, selbst wenn sie (aber mit Vorsicht) getrocknet sind, wiewohl in geringerem Grade, den oben angegebenen Geruch und Geschmack. Die Blumenblätter müssen schnell und behutsam getrocknet werden, wenn sie ihre Farbe behalten sollen. — Die Pflanze enthält ein scharfes, narkotisches Prinzip, bittern Extractivstoff und Gerbestoff. Der Gerbestoff ist bei den Blumen am reichlichsten. In den Samen findet man vorzüglich fettes Oel, 

Im Ganzen macht man, vielleicht mit Unrecht, nur selten noch von der Pfingstrose Gebrauch, und reicht das Pulver der Wurzel zu ......... (hier folgt  eine Rezeptur, die wohl nicht mehr aktuell sein dürfte)

Auch den ausgepressten Saft benutzt man zuweilen. Aus den Blumenblättern wurde sonst ein Syrup und eine Aqua destillata bereitet, jetzt kommen sie nur noch der Farbe wegen zu Räucherpulvern. Die Samen sind ganz außer ärztlichen Gebrauch und werden nur noch, von abergläubischen Leuten auf Fäden gereiht, den Kindern zur Erleichterung des Zahnens oder Abwendung von Gichtern um den Hals gehangen.

Schon die ältesten Aerzte rühmten die Pfingstrose als krampfwidriges Mittel gegen Hysterie und Epilepsie. Tissot und Boerhave klagen über ihre Unwirksamkeit, während mehrere Neuere sie empfehlen, besonders auch bei Krämpfen der Kinder.

Sonntag, 31. März 2013

Dahlie, Georgine

Dahlie - Bild Leo Michels
Die Dahlie, bzw. auch Georgine genannt, gehört zu den Korbblütlern. Die Blütezeit ist von Juni bis September. Es gibt etwa 30.000 Arten, die sich unterscheiden in Farbe, Blütenfülle und Größe.

Die Blumensprache sagt:
  • Was wäre ohne deine Liebe mir das Leben! 
  • Deine Eigenschaften erregen Achtung und Bewunderung. 
  • Kann denn nichts, du holde Schöne, den stolzen Sinn dir beugen?

  

Georgine

Sei nicht stolz!
Lerne von der Georgine 
Widersteh'n dem stolzen Sinne. 

Im prachtvollen bunten Gewande auf erhabenem Stiele erhebt sich die Georgine, das Bild des Stolzes, der auch hoffärtig und aufgeblasen äusserlich zu glänzen sucht, um seine innere Leere zu verhüllen. Die Georgine ist geruchlos; auch der Stolz zieht durch Nichts an, im Gegentheil schreckt er alle ab und wird denen zum Ekel, die sich ihm nahen. Das Christenthum lehrt, daß wir aus uns nichts, sondern Alles von Gott haben, daß wir ohne ihn nichts können, nichts wissen, nichts sind; auf was sollst du daher stolz sein? Der Hochmuth ist ebenso thöricht, als lächerlich und bei einem stolzen Menschen erinnert man sich leicht an jenen Ausspruch des hl. Kassian: Was nützt es dem Esel, wenn er auch eine Purpurdecke trägt, er bleibt dennoch ein Esel. Meide den Stolz und denke an den Tod, denke an dein Sündenelend, denke an die Demuth deines leidenden Heilandes. Wenn solch' eine Arznei den Stolz, nicht heilt, sagt der hl. Augustin, dann weiß ich nicht, was denselben noch heilen könnte. 
Vor Dem, der am gekreuzten Holz 
Für uns verging in Todeswehen,
Da muß dem Christen aller Stolz 
Und jede Hoffart schnell vergehen! 
Drum Stolzer schau in diesen Spiegel 
Da lernest du die Demuth gleich, 
Sie ist der Auserwählung Siegel, 
Der Schlüssel zu dem Himmelreich.

Quelle: Die Blumensprache in christlicher Deutung, Ludwig Gemminger, 1866

Malve

Malve - Foto Leo Michels
Die Malve gehört zur Familie der Malvengewächse. Andere Namen sind Stockrose, Rosspappel, Große Käsepappepl, Simeonswurz.

Die Blütezeit ist von Mai bis September.

Sie soll schweißtreibend, schleimlösend, entzündungshemmend, desinfizierend, erweichend, wundheilend, schmerzlindernd, beruhigend, aufbauend und augenheilend wirken.




Die Blumensprache sagt:

  • Ich schätze dich als meinen teuersten Freund.
  • Deine Schönheit macht dich stolz.
  • Wirst du dich nie erweichen lassen?
Charlotte de Latour schreibt der Malve "Anspruchslosigkeit" zu.



Magnolie

Magnolie - Foto: pixabay


Die Magnolien (Magnolia) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Magnoliengewächse (Magnoliaceae). Sie stammen aus Ostasien. Die Gattung wurde nach dem französischen Botaniker Pierre Magnol (1638-1715) benannt.

Die Magnolie wird auch Tulpenbaum genannt. Die Blütezeit ist von April bis Mai. Leider hat man meist nur wenige Tage von den wunderschönen Blüten.

Die Grundbedeutungen der Magnolie in der Symbolik sind Anmut, Schönheit, wahre Liebe, Reinheit, Kraft aus der Tiefe.

Die Blumensprache sagt: "Wie unschuldig du bist."

Samstag, 30. März 2013

Die Kamelie

Foto Kamelie
Kamelie - Foto: Leo Michels
Die Kamelie gehört zur Familie der Teestrauchgewächse.

Andere Namen sind: Wilder Tee, Japanische Rose. Die Blütezeit der Kamelie ist von November bis März, die Blütenfarbe weiß, rosa, rot oder gelb gefüllt.

Als Heilwirkungen werden der Kamelie zugeschrieben: beruhigend, entspannend, blutdrucksenkend.

Die Grundbedeutungen in der Symbolik sind: Freundschaft, Reinheit und Klarheit der vollendeten Natur, Streben nach Schönheit, Harmonie, idealer Liebe.

Die Blumensprache sagt: "Ich bin beständig."

Prachtvoll bist zu schauen im Ballsaal, wenn du in dunklem lockig geringelten Haar, weiße Camelie, prangst. Vornehm bist du und stolz, und ein jeder, wenn er dich anschaut, muß dich bewundern.
(Hannes Trojan)

In dem Roman "Die Kameliendame" beschreibt Alexandre Dumas das Leben der begehrtesten und teuersten Kurtisane von Paris  (Marie Duplessis). Er erschien 1848 in Paris und wurde zu einem der größten Erfolge des sonst im Schatten seines Vaters stehenden Autors. 1937 wurde der Roman verfilmt mit Greta Garbo in der Hauptrolle.

Kamelie, Foto pixabay
Ein Camelienliebbaber in Lüttich , Namens B o r s u , hat eine Camelie aus Samen
gezogen, deren Blume alles bisher Gesehene dieser beliebten Pflanze übertreffen soll. Die Knospe ist grösser als die irgend einer andern Varietät, und die grosse Blume hat eine zehnfache Reihe dachziegelförmig, jedoch sehr locker übereinander rangierter Fetalen. Die Grundfarbe der Blume ist rosenroth, doch sind die Petalen herzförmig, mit weissen Längsstreifen versehen und an den Rändern kirschroth ausgeschweift. (Aus einer Zeitschrift aus dem Jahre 1853)

Dienstag, 26. März 2013

Alant

Alant gehört zur Familie der Korbblütler.

Andere Namen sind Oltwurz, Galantwurzel, Edelwurz, Odinsauge.

Die Blütezeit ist von Juli bis September.

Als Heilwirkungen werden dem Alant zugeschrieben: schleimlösend, blutstillend, magensträkend, abführend, beruhigend und aufbauend, emotionell stabilisierend.

Die Grundbedeutungen in der Symbolik sind Schutz und Abwehr, Kraft und Belebung aus der eigenen Tiefe, Erlösung.

Die Blumensprache sagt: "Ich will mich erst besinnen"
oder
"Mein Herz hat sich von dir gewandt."

Montag, 25. März 2013

Senfblume

Ackersenf
Foto: Leo Michels

Der Acker-Senf (Sinapis arvensis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Senfe (Sinapis) innerhalb der Familie der Kreuzblütengewächse (Brassicaceae).

Die Blumensprache sagt: Du bist überflüssig.

Senfblümlein.

Sogar das kleinste aller Gesäme. das Senfkörnlein. das in die Erde gelegt wird. und das nach und nach empor wächst, so daß die Vögel des Himmels kommen. und unter feinem Schatten wohnen, zeigt uns, wie das Gute im Menschen zwar vom Kleinen anfangen, aber täglich erstarken müsse. bis es feine Vollendung erreicht. Das Christenthum war klein in seinem Anfange, aber unabsehbar groß in seinen Folgen. Wie wenige freueten sich des göttlichen Kindes Jesu zu Betlehem und wie viele Millionen Verehrer zählt - nun Jesus unter allen Völkern der Erde? Auf den Eisfeldern von Grönland wie in den heißen Sandwüsten Arabiens ist das Kreuz errichtet und verkündigt den Triumph der christlichen Religion.
(Gabriel Eith)

Weiße Rose - Gedichte

Foto Weiße Rose
Weiße Rose - Foto: pixabay

Weiße Rose. 

Die Jungfrau will ein Blümchen pflücken,
Sie geht im Garten her und hin,
Die Blümchen freuen sich und bücken
Sich tief vor ihrer Königin.
Beim weißen Röschen bleibt sie stehen,
Und schaut es an mit frommer Huld:
O Jungfrau, laß mich mit Dir gehen,
Ich bin wie Du, noch ohne Schuld.
Die Jungfrau will das Röschen brechen,
Das ihr den Gruß so freundlich bot.
Doch ach, die rauhen Dornen stechen
Das Röschen schämt sich - und wird roth.

Die Entstehung der Rosen. 

In der Flora Farbenschoß
Blüht die slberweiße Rose
Wie die Unschuld rein und mild;
Aus des Lichtes Strahl geflossen
Scheint der Erde sie entsprossen,
Als der Reinheit reinstes Bild!

Der weißen Rosen hingebleichte Wangen
Sie deuten ernst auf ew'ger Liebe Glück,
Ihr irdisch Glühen ist im Sturm vergangen.
Die schöne Form blieb engelrein zurück.

Quelle: Die Blumensprache von Gabriel Eith aus dem Jahr 1834

Reseda - Roseda


Reseda
Foto: Leo Michels
Diese Pflanze ist wohl eher unbekannt. Trotzdem möchte ich sie hier vorstellen:
Reseda, auch Resede oder früher Roseda genannt, ist eine Pflanzengattung in der Familie der Resedagewächse (Resedaceae). Die Reseden sind die einzige in Mitteleuropa vorkommende Gattung der Familie.

Die Blumensprache sagt:
Güte und Sanftmuth überwiegen die Schönheit.
Deine Herzensgüte gereicht dir zur höchsten Zier.

Roseda.

Blüte der Reseda
Foto: Leo Michels
Bild der Häuslichkeit und ihres stillen Sinnes, so wie der häuslichen Freude und Wonne. Sagt was füllet das Zimmer mit Wohlgerüchen? Roseda farblos ohne Gestalt. stilles und zierliches Kraut.

Dein Duft ist süß und mild und ohne Farbenpracht; doch lieblich deine Blüthe;
Du bist des edlen Weibes Bild,
Das, ohne Schimmerprunk anzieht durch ihre Güte.

Roseda, ein sanftes. mildes Kräutchen. erfreuet den, der se abbricht, mit lieblichen Wohlgerüchen. Ihr ist der Tugendhafte gleich. der auch denjenigen gut ist, die ihn beleidigen. - Dieser Pflanze gleicht der Sandalbaum (Sandelbaum), der Wohlgeruch um die Axt verbreitet. die ihn fällt. (Gabriel Eith)

Waldessprache - Aloys Schreiber

Foto Wald
Wald - Foto pixabay

Waldessprache

Mich ergreifen Lust und Bangen
Unterm grünen Baumgezelt : 
des Waldes Nacht umfangen
Ahn' ich eine fremde Welt.

Dunkel wohnen hier und Grauen,
Wo sich Zweig in Zweig verflicht.
Doch die hohen Wipfel schauen
Fröhlich in das Sonnenlicht.

Ich vernehm ein säuselnd Wehen,
Und es regt sich jeder Baum; —
Geister wallen ungesehen
Durch des Forstes weiten Raum.

Wollt ihr mir Geheimes sagen
Aus dem unbekannten Reich?
O ich hör' euch ohne Zagen,
Reines Herzens frag' ich euch:

Ist der Wildniß stilles Leben,
Ist es näher euch verwandt?
Ja ich fühle hier ein Streben,
Frei von jedem Erdenband.

Stimmen, welche längst verklungen,
Tönen wieder meinem Ohr,
Was die Kindheit mir gesungen,
Neugestaltet tritt's hervor.

Soll ich hier die Weide finden,
Die mir Höheres verheißt ?
Sich der Geisterwelt verbinden,
Will der freigewordne Geist.

Dort des Felsens heilge Quelle
Ladet zu der Sühne ein,
Und des Lehrlings Blick sey helle,
Seine Hände seyen rein.

An dem grauen Stamm der Eiche
Spielt ein goldner Strahl herab:
Was unheilig ist, entweiche!
Neues Leben giebt das Grab.

Hoch am Himmel zieht ein Wetter,
Lauter tos't der ferne Strom,
Lauter rauschen alle Blätter
In dem grün gewölbten Dom.

Treten will ich, ohne Grauen,
Vor den Unsichtbaren hin ;
Das Geheimnißvolle schauen
Darf der kindlich fromme Sinn.

(Aloys Schreiber)

Aloys Wilhelm Schreiber (* 12. Oktober 1761 in Bühl (Baden); † 21. Oktober 1841 in Oos (Baden-Baden)) war Lehrer und Professor der Ästhetik, Hofhistoriker, Schriftsteller und Reisebuchautor. (Quelle Wikipedia)

Wald - Gedichte

Foto Wald
Wald - pixabay

Der Wald

Wandl' im Grünen.
Willst du die Blumen verstehn,
Mußt du erst den Wald durchgehn.
Ist dir erschienen Der Sinn des Grünen,
Dann magst du die Blumen verstehn.

Grün ist das erste Geheimniß,
In das die Natur dich weiht;
Die erste Farbe ist grün,
Grün schmückt die ganze Welt,
Ein lebendiger Odem,
Ein lieblich Element,
Womit alles froh umschlossen ist.
Grün bedeutet Lebensmuth,
Den Muth der frohen Unschuld,
Den Muth zur Poesie,
Grün sind alle Blumenknospen
Und die Blätter um die Blumen;
Dann entspringt der Farbenglanz
Aus dem mütterlichen Grün.

(Ludwig Tieck) Naturlaute.

Im Wald.

Hinaus in des Waldes süßkosende Nacht,
Auf, Freunde, in jubelnden Reih'n ' !
Daß Tempel, von fröhlichen Horen bewacht.
Der Freude und Liebe wir weih'n.
Laßt Leyer und Becher uns kränzen !
Daß geistige Flammen umglänzen
Des Lebens bemoostes Gestein.

Es hallt aus der Buche weitschattendem Dom.
Die Glocke sonst seliger Zeit.
Froh winkt uns, wie einst an der Kinderwelt Strom,
Die Maie der Hoffnung geweiht.
Der Erinnerung Blumen zu pflücken,
Die Urne der Zukunft zu schmücken,
Stehn flammende Opfer bereit.

Die Eiche schlingt Kränze unsterblicher Lust,
Der Freundschaft ins goldene Haar.
Zu Wodans Altaren, an Vaterlands Brust,
Ruft sie die begeisterte Schaar.
Schäumt Becher in flammenden Fluthen !
Fürs Vaterland wollen wir bluten,
Und beten an Freundes Altar.

Es trägt zu des Himmels Vergißmeinnicht -Kranz
Die männliche Tanne ihr Haupt.
So steht in dem Herzen voll himmlischen Glanz
Der Treue Baum, ewig belaubt.
Laßt heilige Flammen uns zünden !
Die Schlangen der Selbstsucht umwinden
Die Brust, die an Treue nicht glaubt.

Die Ulme des Weinstocks frohschützender Stab,
Ist fröhlichen Bechers wohl werth ;
So schätze das Weib, das sich liebend uns gab
Des Mannes reinflammendes Schwert.
Auf trinkt es mit glühenden Wangen:
Daß Kraft sich und Liebreiz umfangen,
Und Glück wohnt am heimischen Herd.

Wir grüßen der Linde süßathmendes Dach ;
Sie ruft uns zum trauten Verein,
Nimmt häusliches Glück in ihr Blüthengemach,
Hüllt Mondnacht in Blumenduft ein.
Der Liebe vertraulichem Kosen,
Der Unschuld hellglühnwen Rosen,
Soll stets sie Beschützerin seyn.

Der Nebelgebirge fernleuchtender Kranz,
 Die dunkele Fichte, sie neigt
Sanft klagend die Zweige im Mondenlichts-Glanz
Zur Erde Grab, dem sie entsteigt.
Sie flüstert uns selige Laute,
Der Sternenwelt ernste Vertraute,
Wo Liebe die Arme uns reicht.

Es schlägt in des Waldes grünlaubendem Zelt
Die Männerbrust kühner und frei.
Hier winkt uns Apoll, flammt die Fackel der Welt,
— Die Freiheit — in ewigem Mai.
Es steigt der Olymp zu uns nieder,
Doch künden der Vögelein Lieder,
Daß Liebe die Königin sey.

Hoch sey du gefeiert, kühnwogendtt Wald,
Der saugend an Himmels Brust ruht,
Im Mutterkuß Töne der Liebe uns hallt,
Fest gürtet die Herzen mit Muth.
Laß trunken die Herzrn sich baden
In deiner elegischen Fluth.

(Wilibald)

Es könnte sich um folgenden Dichter handeln, ist aber nicht sicher:

Willibald Alexis (eigentlich Georg Wilhelm Heinrich Häring; * 29. Juni 1798 in Breslau; † 16. Dezember 1871 in Arnstadt) war ein deutscher Schriftsteller, der als Begründer des realistischen historischen Romans in der deutschen Literatur gilt. (Quelle Wikipedia)



Sonntag, 24. März 2013

Das Sträußchen - Gedicht

Foto bunte Blumen
Blumen
Foto: pixabay

Das Sträußchen. 

Du, die erblüht in Prachtgeländen, 
Die Sprache der Natur verstand, 
Empfang aus deines Freundes Händen 
Ein Sträuschen, wie das Herz es band! 
Es füge mehr der schönen Stunden 
Den schönsten deines Frühkings bei! 
In dem Sinn ward es dir gebunden, 
Daß es des Lebens Bild dir fey. 

Die Unschuld wahr und heilig wohne, 
Wie diese Lilie so rein, 
Im Bnsen dir, die zarte Krone, 
Ob der sich Engel Gottes frcu'n!
Sie malt' ob dir mit Mutterpflege, 
Sie leite, deine Führerin.
Dich auf dem glatten Erdenwege 
Durch alle Schlangen glücklich hin! 

Statt stolzer, blendender Juwelen,  
Statt alles Prunks der Eitelkeit, 
Nimm hin die Blume beßrer Seelen, 
Das Veilchen der Bescheidenheit. 
Nicht locken will es, will nickt glänzen, 
Doch freundlich schmiegt sich's an die Brust, 
Und duftet in der Liebe Kränzen. 
Sich kaum des eignen Werths bewußt. 

Die heitre jugendliche Rose, 
Sie, deines frohen Lenzes Bild, 
Sey Bild von deinem späteren Loose; 
Wie sie, sey dieses schön und mild; 
Erquickungsvoll, wie ihre Düfte, 
Balsamisch, wie ihr edler Saft, 
Umweh'n dich alle Lebenslüfte 
Mit Frohsinn, Wohlgefühl und Kraft ! 

Der Himmel lächle deinen Tagen 
So hold wie das Vergißmeinnicht! 
Es möge dir die Farbe tragen, 
In der es so zum Herzen spricht! 
Auch unterm Schatten der Cypressen 
Vergißt nicht meine Seele dein. 
Kann Emma, kann sie mein vergessen? 
Es ruft, es ruft : — Vergiß nicht mein ! 

Die Hoffnung möge dich umschweben, 
Um deiner Pfade jeden blüh'n, 
Und Stärke deinem Geiste geben, 
Wie diesem Strauß das Immergrün! 
Es schlingt sich um die Blumenstengel 
Mit treuer Innigkeit herum. 
So halte dich der Hoffnung Engel; 
Dich tragend in Elysium. 

(J. R. Wyß d. ä.)

Schneeglöckchen - weitere Gedichte

Das Schneeglöckchen. 

Kleines Blümchen steigt zur Höh',
Halb erst Blüthe, halb noch Schnee,
Weicht der Schnee, da blüht sein Stern,
Kommt die Blüthe, weicht es gern.

Jene bricht hervor aus grün,
Diesem will's am Herzen blüb'n,
Wägt von Frühlings bunter Lust
Grünen Keim in stiller Brust.

Und der Blätter duft'gen Schnee
Höb's wie Flügeln gern zur Höh',
Doch es senkt sie, sagt nur: sing
Voglein I schwing' dich, Schmetterling!

So verkündigt es den Mai'n,
Darf sich seiner Pracht nicht freu'n,
Erstes Lüftchen hat s umspielt,
Süße Liebe hats gefühlt!

(J. M. Braun)

Schneeglöckchen. 

Ich kenn' ein Glöcklein, lieblich und zart,
Durch weißen Schmelz verschönt,
Das leise nur, doch wunderbar,
Durch's Reich der Lüfte tönt,
Ein Glöcklein ist's, aus Flor gewebt,
Das jedes Herz mit Lust belebt.

Bescheiden hängt das Glöcklein nur
An einem grünen Band,
Das die Natur mit zarter Kunst
Ihm um das Hälschen wand.
Und wenn die Luft das Glöcklein schwingt,
Es lieblich durch die Fluren klingt.

Und schöne Zeit verkündet es
Mit seinem Silberton;
Denn wißt, es naht im Feierzug'
Der holde Frühling schon,
Mit seiner Hand das Erdenreich
Zu segnen einem Gotte gleich.

Und kaum vernimmt den Wunderklang
Der Blumen duftend Chor,
Da eilt es aus dem Kämmerlein
Gar schnell ans Licht hervor,
Und drangt mit Schönheit angethan.
Zum Frühlingseinzug' sich heran.

Und sieh in Reihen folget nun,
Dem lieben Glöcklein hold,
Des Märzenblümchens reines Blau,
Und der Ranunkeln Gold,
Und lieblich würzt als Opferduft
Das Veilchen schon die' laue Luft.

Und bunter stets, und schöner stets
Kommt schon der Zug heran,
Die Maaslicb da, die Primmel dort,
Und hier die Tulipan,
Und auch der Anemonen Weiß
Schließt freundlich sich zum Blumenkreis.

Und immer weiter dehnet sich
Der Blumen duftend Heer,
Kaum hört man noch den süßen Ton
Des Silberglöckchens mehr;
Nur leise noch der Laut erklingt,
Der sich aus diesem Glöcklein schwingt.

Und endlich wenn der Frühling kommt
In seiner Herrlichkeit
Verstummt das Glöcklein ganz und gar
Auf lange, lange Zeit,
Und schließt sich in sein enges Haus,
Und ruht von seiner Feier aus.

(Radda)

Gelbe Rose - Gedicht Pfeffel

Gelbe Rose. 

"Gib mir, o Mutter!" — also bat
Einst Flora eine kaum dem Schooße
Des Nichts entstieg'ne weiße Rose, —
"Gib mir der Schwester Incarnat."
„Begnüge, Kind, dich mit der Gabe,
Die ich dir eingebunden habe.
Der Unschuld Farbe schmückt dich ja," -
Sprach Flora sanft. — Doch wer bekehret
Ein Herz das Eifersucht bethöret?
Sie murrt, sie schmollt. — Als Flora sah,
Daß sie die Mutterhuld mißbrauchte:
„Nun wohl!" rief sie erzürnt und hauchte Sie an :
„So nimm anstatt des Kleid's
Der Unschuld, das zu deinem Loose,
Was dir gebührt — die Tracht des Neid's!"
Und so entstand die gelbe Rose.

(Gottlieb Konrad Pfeffel)

Gottlieb Konrad Pfeffel (* 28. Juni 1736 in Colmar; † 1. Mai 1809 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Militärwissenschaftler und Pädagoge aus dem Elsass. (Quelle: Wikipedia)

Die Blumensprache sagt:

Rose (gelbe) - Ist deine Liebe aufrichtig, täuschest du mich nicht.
und
Rose (gelbe) - Wenn du noch keinen Anbeter hast, so sey nicht neidisch auf die glücklicheren.

Dienstag, 19. März 2013

Rosen-Gedichte

Foto pink Rosen

Pink Roses von Samantha DeWitt

Die Rose ist die Königin der Blumen. So haben auch viele Dichter Verse über diese wunderschöne Blume geschrieben. Die von mir vorgestellten Reime stammen aus einer Zeit, in der die Blumensprache Hochkonjunktur hatte und natürlich haben sich auch die Dichter dieser Zeit der "Sprache der Blumen" gewidmet. Die Zeilen mögen zwar teilweise nicht mehr "zeitgemäß" erscheinen. Mir aber erscheint es trotzdem wichtig, dass unsere alten Dichter nicht ganz in Vergessenheit geraten.

Vielleicht eignet sich sogar die ein oder andere Zeile für ein Zitat in einer Rede oder für einen Eintrag in ein Gästebuch oder Poesiealbum.

Einige der Gedichte sind sicher eher unbekannt und daher umso interessanter.


Rose. 

Du, die im Purpurglanze 
Mit hellen Farben strahlt,
Und die im bunten Kranze 
Des Lenzes Bildniß mahlt !
Dir singt, am Mädchenbusen, 
O segnendes Geschick! 
Ein Lobgesang der Musen 
Das neidenswerthe Glück-

Gepreßte Seufzer heben 
Dein lieblich duftend Roth! 
Des sanften Herzens Beben 
Klagt dir der Liebe Noth, 
Schlägt unter deinem Schatten, 
Lehnt traulich sich an dich, 
Und deine Knospen gatten 
Mit seinen Thränen sich.

Wie Thau, wenn er die Blätter 
Im Abendstrahl erfri'cht, 
Und er, des Frühlings Retter, 
Dem kühlen Schooß entwischt: 
So tränkt der Liebe Zähre 
Dein welkendes Gewand, 
Zu ihrer Gottheit Ehre, 
Als sie dich sterbend fand. 

Auf Purpurblättchen schimmert 
Sie hell und engelrein, 
Und aus dem Knöspchen flimmert 
Der Auferstehung Schein; 
O ! rauschte doch mein Leben 
Gleich deiner Blüthe hin! 
Bis Geister mich umschweben, 
Und ich einst Asche bin.
(C. W. von Haugwitz)

Rose Rothe, Symbol der Liebe, 
Weiße, Symbol der Trauer, auch Unschuld. 

Drei Rosen blühen auf des Lebens Weg, 
Die eine weiß, wie frisch gefallner Schnee; 
Die andre glüht im höchsten Incarnat *); 
Die dritte borgt von beiden ihre Farben; —
Den Guten labt ihr süßer Balsamduft, 
Und nur dem' Leichtsinn und dem Frevel ritzt 
Ihr scharfer Dorn die Finger strafend blutig.

*) Incarnat = blutrot

Der Unschuld Rose strahlt in zartem Weiß, 
Sie ist der Jungfrau köstliches Geschmeide; 
So lange sie am Busen lieblich blüht, 
Kann nie das Herz ein giftger Pfeil verwunden. 
Sie ist der Tugend ächter Talisman, 
Sie schützt vor Reu und Lebensüberdruß, 
Und wehet Trost dem frommen Dulder zu, 
Wenn unverschuldet ihn ein Kummer drückt. — 
O wahre sie an deiner zarten Brust, 
Und ihre hellen Blätter werden, dich 
Wie eine Himmelsglorie umstrahlen. - 

Der Liebe Rose glüht in Purpurglanz, 
Vor allen Blumen ragt sie schön hervor, 
Ihr Wohlgeruch erfüllt umher die Luft. 
Doch nur des Lebens Frühling sieht sie blühen, 
Denn ach! der schnelle Flug der Blüthenzeit, 
Reißt ihre schönsten Blätter mit sich fort, 
O möchte bald ein edler Jüngling dir 
Die heitre Stirn mit dieser Rose kränzen- 

Die dritte Rose blüht zwar minder schön, 
Doch liebreich hat die freundliche Natur 
Sie mit dem Weiß der Unschuld ausgestattet, 
Und zart der Liebe Roth darein gemischt. 
Ein fühlend Herz hat sie der Freundschaft einst 
Bei dem Altar der Sympathie geheiligt. 
Sie blüht auch in des Lebens spätem Herbst; 
Hat Frost und Sturm die Haine schon entlaubt, 
Der Wiesen Schmelz, der Gärten Farbenpracht 
In Schnee verhüllt, entfaltet sie bescheiden 
Aus dunkelm Moos die blätterreiche Knospe, 
Sie ist das Sinnbild der Beständigkeit; 
Und schließt der Lieb' und Unschuld zarte Rose 
Der Sarkophag des Sanftverklärten ein, 
Bekränzt sie noch des Freundes heil'ge Urne.  
(Sonnenberg)

Rose. 

Wenn der himmlische Mai segnend herunter schwebt, 
Prangt im blühenden Schmuck lieblich der Rosenstock; 
Um die reizende Knospe 
Taumeln Zephyr und Schmetterling.

Nahen schmeichelnden Flugs; aber wenn Ungeduld 
Kaum mit frevelnder Hand frühe das Röschen pflückt, 
Schnell dann liegt es geruchlos, 
Bleich, entblättert — die Schmeichler flieh'n. 

So vernichtet ein Thor, lüsternen freien Sinns, 
Kosend, oft das Idol seiner Begehrlichkeit. 
Unser wildes Vergnügen 
Preßt so Thränen der Unschuld aus. 

Du bezauberndes, du zartes, den knospenden 
Blumen ähnliches Kind, schöne Laidion!
Wenn du lange des Röschens 
Reine Frische bewahren willst, 

Fleuch der Schmeichler Gedräng', biete Verwegnen Trotz, 
Eingedenk, daß Natur, Blätter dem Röschen gab, 
Sich zu bergen, und Dornen 
Gab zu rascher Vertheidigung. 
(Haug)

Rose. 

Einsam verblühet die Rose, geflegt von uns auf dem Hügel, 
Die das entschlafene Paar unserer Kinder bedeckt. — 
Sey sie ein Bild der Erinnrung, sey sie ein Bild uns der Hoffnung; 
Jenes durch stechenden Dorn; dieses durch Blüthe und Blatt. 
Was das Auge beweinet, das Herz der Eltern betrauert, 
Giebt das geöffnete Grab einst ihm auf immer zurück, — 
(Hilarion)

Rose. 

Wo ist sie hin die Morgenrose, 
Die schöne Blumenkönigin? 
Ach sie entging nicht ihrem Loose; 
Ihr Raum ist leer, sie ist dahin! 

Sagt nicht: das ist das Bild des Lebens; 
So stirbt die Freud' in unsrer Brust; 
Und klaget nicht; ihr klagt vergebens 
Der Jugend eilenden Verlust! 

Sprecht: fahre wohl! Du hast geendet! 
Dann aber hebt den Blick empor 
Vom Rosentode, Freund', und wendet 
Ihn zu dem frischen Lilienflor! 
(Tiedge)

Rose. 

Gieb auf den holden Geist, du königliche Blume, 
Und wandle friedlich dein Gewand ! 
O Rose, sterben läßt der Herr im Heiligthume 
Nicht ein Geschöpf von seiner Hand ! 

Daß alles lebt, will Gott! Daß, leiser Wandelungen, 
Hier Leben reift, dort Leben keimt, 
Von mir, dem Denker, an bis zu den Dämmerungen 
Des Sinnes, den die Klippe träumt ! 

Das kleine Glück, das dir, du Preis der Sonnenkinder, 
Schon hier auf meinem Beete ward; 
Dieß: Menschen zu erfreu'n! schon dieß ist ein Verkünder, 
Daß noch auf dich ein größers harrt!

Geschwinder schlug mein Herz, voll freudigen Erbebens, 
Wenn ich bei deinem Purpur stand, 
Und, lauschend, dann in dir nicht Fülle nur des Lebens, 
Auch Spuren des Gefühles fand ! 

Wie du so zärtlich warst ! Sichtbare Freundschaft hieltest 
Mit Gottes hoher Sonne du: 
Sie trauerte, du auch; sie lächelte, du spieltest, 
Gleich ihr bald thätig, bald in Ruh! 

Lichtheller flimmertest dem Himmel du entgegen: 
Zur Stimme ward dein Blätterspiel, 
Wenn, dir zum Trank, des Thaus, zum Bade dir, der Regen 
Friedseliger Gewässer fiel! 

Einst zögerte dein Trank aus silbernen Gewöllen; 
Da rettete dich Mina's Hand: 
"Du kleine," seufzte sie, "du sollst noch nicht verwelken!" 
Und tränkte dich aus hohler Hand.

Du fühltest ihre Huld. Aus deinen tausend Blättern 
Glitt ein Geräusche, lind und süß, 
Wie Echo des Gesangs, den allen Liebesgöttern 
Beseelend Orpheus hören ließ! 

Gieb auf den süßen Geist! Nicht von der Erde scheiden, 
Sein Kleid verwechseln wird er nur: 
Statt Blätter wird er sich in keine Flügel kleiden; 
Wird Liebe singen und Natur; 

Bald in, der Nacht des Hains, bald auf erhellten Triften, 
Und mit Gesängen, wunderbar, 
Aufschließen Minna's Herz, gleichwie er that mit Düften, 
So lang er eine Rose war! 
(K. E. K. Schmidt)

Moosrose. 

Anzusehn 
Bist du schön 
In dem braunen Moose; 
Aber ich 
Kenne dich 
Schmeichelhafte Rose? 

Brust und Haar' 
Schmückst du zwar, 
Und dein Duft ist lieblich; 
Wäre nur 
Von Natur 
Dir nicht Schalkheit üblich! 

Dein Gedüft 
Athmet Gift, 
Das im Blute schäumet. 
Banger Lust 
Bald bewußt, 
Schwindelt man und träumet.

Rede wer? 
Und woher 
Lieblingen der Flora! 
O dich schuf, 
Sagt der Ruf, 
Aus der Thrän' Aurora ! 

Als den Kuß 
Cephalus 
Grausam ihr versaget; 
Weinte sie 
Spät und früh, 
Wo der Held gejaget. 

Schnell einmal 
Schaut im Thal 
Sie die Ros' entblühet, 
Roth, und feucht 
Wie, ihr däucht, 
Jetzt die Wang' ihr glühet. 

Wer sie bricht, 
Der kann nicht, 
Als nach Küssen streben, - 
Drum hat ihr, 
Warnung mir! 
Zeus den Dorn gegeben. 
(Voß)

Die dahin gewelkte Rose. 

Ich war eine Rose, mein kurzes Leben 
Hab ich unter Blüthengeruch verhauchet, 
Von des Himmels Tbaue genährt, vom schönen, 
Himmel umfächelt. 

Anmuth war mein stilles Gewand und Einfalt, 
Und mein Odem zeugte der Liebe, Mädchen 
Freuten mein und Jünglinge sich, erquickend 
Ward ich erquicket. 

Nun sind meine Blätter ein Spiel der Winde, 
Und ich war, doch lebet die Ross unsterblich. 
Reicht des Lebens Fackel euch schnell und segnet, 
Wandrer, die Rose! 
(E. P.Gonz)


Die dahin gewelkte Rose 

Auch sie die Rose die du mir gegeben, 
Legt schon die Pracht der zarten, Blütben ab, 
Auch sie singt traurig in ein frühes Grab, 
Ein sprechend Bild von Erdenglück und Leben! 

Wie pflegt' ich sie; doch konnt ich sie nicht schützen, 
Sie senkt ihr Haupt, ihr Purpurglanz erblaßt, 
Die Hand, die jetzt den welken Stengel faßt, 
Kann sich allein an ihren Dornen ritzen. 

Was half es mir, so sorgsam sie zu pflegen, 
Was hilft mir ach ! die heiße Thräne jetzt, 
Womit ich sie so oft statt Thau genetzt? 
So ist denn dieß allein der Hoffnung Segen? 

Doch diese Rose darf nicht ganz verwesen, 
Ihr dürres Laub wird stets mir heilig seyn; 
Ich seh' sie sinnend an und denke dein, 
Und jener Zeit, wo sie im Blüh'n gewesen. 

Erinnerung hat tausend stille Freuden,
Sie sey mein Trost! Es wird dein holdes Bild, 
Wenn meinen Blick auch Grabesnacht umhüllt, 
Selbst sterbend, nicht aus meinem Herzen scheiden
(K. Müchler)


Rosen. Zum Geburtstage. 

Schön sind die holden Veilchen, wenn sie kränzen 
Den Silbersee — 
Noch sanfter blüht, wenn sie am Morgen glänzen
Der Lilien Schnee. 
Und lieblich ist das Blümchen der Getrennten, — 
Vergiß nicht mein; 
Und Nelken, die uns spätre Monden spenden 
Im Rebenhain. 
Vor allen hebt aus Flora's bunten Beeten, 
So königlich — 
Mit züchtigem und lieblichem Erröthen 
Die Rose sich. 
Mir doppelt schön bist du, geliebte Rose! 
Dein Purpur schmückt 
Den Mond, wo Sie zuerst im Mutterschooße 
Den Tag erblickt'.
O Rose, duft' ihr himmlisches Entzücken, 
Bis sie erreicht  
Das Land, wo nie in heißen Sonnenblicken 
Dein Purpur bleicht!
(Sophie Albrecht)

Herbstrose. 

Sieh', diese Rose brach ich dir 
Am Rosenstöckchen ab — 
Die letzte, lieblichste, die mir, 
Der Herbst, ihr Vater gab. 

Sie sprach in stolzer Einsamkeit 
Den rauhen Winden Hohn; 
Denn längst verschlang der Strom der Zeit 
Die trauten Schwestern schon. 

Du schweigest, und mein Auge liest 
Auf deiner Stirne Harm, 
Und eine Silberthräne fließt 
Auf deinen Busen warm. 

Sprich! Ist's ein Todesengel, der,
Vor deiner Seele schwebt, 
Jetzt näher tritt, und schrecklicher 
Die scharfe Sichel hebt? — 

Ja, deiner Wangen Rosen sind 
Der Zukunft früher Raub, 
Und ihre Blätter wirft der Wind 
Allmälig in den Staub.

Die letzte dieser Rosen bricht 
Dereinst die Hand der Zeit, 
Und deine Thräne schutzt sie nicht 
der Vergänglichkeit.

Doch, weine nicht! die Tugend, die 
Dein Herz, o Selma! schmückt, 
Ist eine Rose, welche nie 
Die Hand des Schicksals pflückt.

Sie hing am Dornenstrauch der Noth, 
Vom Thränenthau genährt, 
Ihr Busen schön wie Morgenroth, 
Ihr Duft den Engeln werth. 

Wann jede deiner Rosen stirbt, 
So blüht doch diese fort, 
Wird immer schöner, und erwirbt 
Dir Beifall hier und dort. 

Sie stärket dich, wenn du dereinst, 
Reif für die düstre Gruft, 
Des Lebens letzte Tbränen weinst, 
Mit ihrem Balsamduft. 

Sie tröstet dich bei jedem Hohn, 
Sie macht im Kampf dich kühn, 
Sie wird vor Gottes Königsthron 
Am Diadem dir blüh'n. 

Nimm hin die letzte Rose! 
Sie Belehre dich, daß früh' 
Der Jugend Schönheit, aber nie 
Der Tugend Reiz verblüh'.
(Friedrich Mohn)


Nicht für alle vorgestellten Dichter habe ich Kurzbiografien gefunden. Die folgenden Angaben wurden aus Wikipedia übernommen:

Freiherr Franz Anton Joseph Ignaz Maria von Sonnenberg (* 5. September 1779 in Münster; † 22. November 1805 in Jena) war ein deutscher Dichter.

Johann Christoph Friedrich Haug (* 9. März 1761 in Niederstotzingen (Württemberg); † 30. Januar 1829 in Stuttgart) war ein deutscher Beamter, Lyriker und Epigrammist.

Christoph August Tiedge (* 14. Dezember 1752 in Gardelegen; † 8. März 1841 in Dresden) war ein deutscher Dichter.

Klamer Eberhard Karl Schmidt (* 29. Dezember 1746 in Halberstadt; † 8. Januar 1824 ebenda) war ein deutscher Dichter und Jurist.

Johanna Sophie (auch Sophia) Dorothea Albrecht, geb. Baumer (* Dezember 1757 in Erfurt; † 16. November 1840 in Hamburg) war eine deutsche Schauspielerin und Schriftstellerin. Sie spielte Hauptrollen in Stücken von Friedrich Schiller und war eine gute Freundin des Autors.

Johann Heinrich Voß (* 20. Februar 1751 in Sommerstorf; † 29. März 1826 in Heidelberg) war ein deutscher Dichter und ein bedeutender Übersetzer der Epen Ilias und der Odyssee Homers sowie der griechischen und römischen Klassiker.

Karl Friedrich Müchler (* 2. September 1763 in Stargard in Pommern; † 12. Januar 1857 in Berlin) war ein deutscher Schriftsteller.

Friedrich Mohn (* 25.01.1762 in Velbert † ca. 1830 in Duisburg)

Passionsblume

Foto: Passionsblume
Passionsblume
Foto: Leo Michels

Die Blaue Passionsblume (Passiflora caerulea) ist eine Pflanzenart aus der artenreichen Gattung der Passionsblumen (Passiflora) in der Familie der Passionsblumengewächse (Passifloraceae). Die Heimat ist das nördliche Argentinien und das südliche Brasilien. Die Blaue Passionsblume kann als Zimmerpflanze verwendet werden. (Quelle: Wikipedia)

Passionsblume - Bild aller stillen. weiblichen Tugenden, der Geduld des stillen Leidens

Die Blumensprache sagt:
Dem Leidenden erblühet sie zum Ruhme.
Glaube, liebe, hoffe, bald ist der Kelch deiner Leiden geleert.
Wie der Aoronsstab, das Gottesauge, das Himmelfahrtsblümchen, das Jehovablümchen, ist auch die Passionsblume ein Zeichen von Vertrauen.

Tugend unter Freuden
Bist du schön.
Doch auch unter Leiden
Kann man deinen Ursprung sehn.
Daß du von dem Himmel flammest
und das Herz fürs Göttliche entflammest.
(Gabriel Eith)

Passionsblume 
Wie blickst du ernst aus deinem dunkeln Laube;
Und strahlst wie Silberschnee, du trauerst mild,
Es fand ein zart geheimnißvolles Bild
In dir der Väter kindlich frommer Glaube.

Sie dachten sich den Herrn, der Schmach zum Raube,
Sie sah'n die Todespfeile Gram erfüllt,
Die Wunden, ach! woraus uns Heilung quillt,
Die Krone, die er trug im Erdenstaube. —

Herr, denk' ich dein, so strömen meine Thränen,
Du starbst für uns den Richter zu versöhnen, —
Und ach! wie oft vergessen wir nicht dein!

Beschämend mahnst du mit, o stille Blume!
Sprichst du denn ganz allein zu seinem Ruhme,
Ist nicht das weite Reich der Schöpfung sein?
(Karoline Behrends)

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