Donnerstag, 9. Oktober 2008

Mohnblume



Mohnblumen - auch Klatschmohn genannt - sind Symbol für Fruchtbarkeit, Schlaf, Vergessen, Tod, Versuchung, Selbstverlorenheit, Liebesleid, Trost, Passion Christi.

Vielleicht könnte man die Mohnblume auch als Zeichen der Vergänglichkeit deuten. Heute noch blüht sie wunderschön, morgen schon verliert sie alle Blätter.

Die antike Symbolik der Mohnblume war eher düster. Bei den Griechen war der Mohn nämlich der Unterweltsgöttin Persephone geweiht. Hyphnos, der Gott des Schlafes wurde oft mit Mohnblüten in der Hand dargestellt. Mohn über die Schwelle ins Haus zu bringen, brachte einer Liebe Unglück.

Besonders auffallend an der schönen Blüte ist natürlich ihre leuchtende, tiefrote Färbung. Auch wenn wir fast alle griechischen Mythen vergessen haben, bleibt diese Einheit von kräftigstem Rot und zartester Gestalt von hohem Reiz. Die Behutsamkeit, mit der wir den Mohn überreichen, ist ein Zeichen für die Freundlichkeit des liebenden Umgangs miteinander.

Einen Strauß mit Mohnblumen zu verschenken macht wohl wenig Sinn und man wird ihn wahrscheinlich nur in Verbindung mit anderen Feldblumen verschenken. Zusammen mit Margeriten und Kornblumen wird daraus ein sehr schöner Feldblumenstrauß. Doch Vorsicht - die Blätter des Mohns fallen meist schon nach wenigen Stunden ab und man hat mehr davon, wenn man ihn auf dem Feld, der Wiese, wo er meist noch selten vorkommt (er gilt beim landwirtschaftlichem Anbau als Unkraut), stehen lässt.

Anmerkung:
Diese Beschreibung bezieht sich auf die Mohnblume, bzw. den Klatschmohn, der auf unseren Wiesen und Feldern wild wächst bzw. in unseren Gärten blüht und nicht auf den Mohn, der in verschiedenen Ländern angebaut und zu Ophium verarbeitet wird. Die in unseren Breiten angebauten Mohnsorten eignen sich bekanntlich nicht für die Herstellung dieses Suchtmittels.



Mohn und Weizen Zusammensetzung von Lorenzo Tempesti


Gedichte über die Mohnblume


Mohnblumen
Mit roten Feldmohnblumen
Hatt’ ich dein Haar geschmückt,
Die roten Blumenblätter
Die sind nun alle zerdrückt.

Du bist zu mir gekommen
Beim Abendsonnenschein,
Und als die Nacht hereinbrach,
Da ließest du mich allein.

Ich höre die Stille rauschen
Und sehe die Dunkelheit sprühn,
Vor meinen träumenden Augen
Purpurne Mohnblumen blühn.

Hermann Löns (1866-1914)


Der Mohn

Wie dort, gewiegt von Westen,
Des Mohnes Blüte glänzt!
Die Blume, die am besten
Des Traumgotts Schläfe kränzt;
Bald purpurhell, als spiele
Der Abendröte Schein,
Bald weiß und bleich, als fiele
Des Mondes Schimmer ein.

Zur Warnung hört ich sagen,
Daß, der im Mohne schlief,
Hinunter ward getragen
In Träume schwer und tief;
Dem Wachen selbst geblieben
Sei irren Wahnes Spur,
Die Nahen und die Lieben
Halt' er für Schemen nur.

In meiner Tage Morgen,
Da lag auch ich einmal,
Von Blumen ganz verborgen,
In einem schönen Tal.
Sie dufteten so milde!
Da ward, ich fühlt es kaum,
Das Leben mir zum Bilde,
Das Wirkliche zum Traum.

Seitdem ist mir beständig,
Als wär es nur so recht,
Mein Bild der Welt lebendig,
Mein Traum nur wahr und echt;
Die Schatten, die ich sehe,
Sie sind wie Sterne klar.
O Mohn der Dichtung! wehe
Ums Haupt mir immerdar!

Ludwig Uhland (1787-1847)

Foto: Pixabay


Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt
Im Sommer war das Gras so tief,
Daß jeder Wind daran vorüberlief.
Ich habe da dein Blut gespürt
Und wie es heiß zu mir herüberrann.
Du hast nur mein Gesicht berührt.
Da starb er einfach hin, der harte Mann,
Weils solche Liebe nicht mehr gibt...

Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.
Im Feld den ganzen Sommer war
Der rote Mohn so rot nicht wie dein Haar.
Jetzt wird es abgemäht, das Gras,
Die bunten Blumen welken auch dahin.
Und wenn der rote Mohn so blaß
Geworden ist, dann hat es keinen Sinn,
Daß es noch weiße Wolken gibt...

Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.
Du sagst, daß es bald Kinder gibt,
Wenn man sich in dein rotes Haar verliebt,
So rot wie Mohn, so weiß wie Schnee.

Im Herbst da kehren viele Kinder ein,
Warum solls auch bei uns nicht sein?
Du bleibst im Winter auch mein rotes Reh,
Und wenn es tausend schönere gibt...
Ich hab mich in dein rotes Haar verliebt.

François Villon (1431-1464)

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